Spanischer Botschafter besuchte Jakob-Grimm-Schule und K+S-Ausbildungszentrum

Bildung global ausrichten

Einblick: Der spanische Botschafter Pablo García-Berdoy (links, stehend) hat gestern das K+S-Ausbildungszentrum in Philippsthal besucht. Den Kontakt hatte Bundestagsabgeordneter Michael Roth (2. von rechts) hergestellt. Foto: Reymond

Philippsthal/Rotenburg. Das duale System bei der Berufsausbildung in Deutschland – also die enge Verzahnung von Schule und Arbeit – wertet der spanische Botschafter Pablo García-Berdoy als den richtigen Weg. Diese Aussage traf García-Berdoy gestern Mittag bei einem Besuch des K+S-Ausbildungszentrums in Philippsthal. Dorthin hatte ihn der Bundestagsabgeordnete Michael Roth auf Einladung des Unternehmens gebracht.

In Spanien habe sich die Notwendigkeit des dualen Systems bis heute noch nicht durchgesetzt. Dies liege an der konservativen Haltung von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften, merkte der Botschafter an. Um die bestehenden Barrieren in seinem Heimatland abzubauen, wünschte sich García-Berdoy weiterhin Hilfe aus Deutschland.

Debatte europäisieren

„Diese Debatte muss europäisiert werden. Denn auch in Italien und Frankreich ist duale Bildung nicht sehr beliebt. Unser spanisches Bildungssystem ist überhaupt nicht global ausgerichtet. Die Überlegungen in Deutschland sind viel klüger. In Spanien wird das alles zu ideologisch betrachtet“, berichtete der Botschafter.

Dr. Thomas Nöcker, K+S-Vorstandsmitglied, versprach, die Kooperation zwischen europäischen Spitzenunternehmen ausbauen zu wollen. Und García-Berdoy äußerte die Hoffnung, dass die aktuelle wirtschaftliche Krise in seinem Land dazu genutzt werde, die notwendigen Reformen anzustoßen.

Zuvor hatten Roth und der Botschafter gemeinsam die Rotenburger Jakob-Grimm-Schule besucht. Am Morgen traf Garcia-Berdoy etwa 50 Schülerinnen und Schüler, die an der Jakob-Grimm-Schule spanisch lernen, und stellte sich ihren Fragen. Die Krise der spanischen Wirtschaft mit hoher Jugendarbeitslosigkeit beruhe auch auf Problemen in der Ausbildungsstruktur. Deshalb interessiere ihn das deutsche Bildungssystem, das er als effizient, praktisch und nah an der realen Wirtschaft bezeichnete, erklärte Garcia-Berdoy.

Charmant und humorvoll

Bei der Begegnung mit den Schülern zeigte sich der Botschafter charmant und humorvoll. „Was können die Deutschen von den Spaniern lernen?“, wollte Elftklässler Markus Böcker wissen. Deutsche Konsequenz und mediterranes Lebensgefühl müssten sich ergänzen, antwortete Garcia-Berdoy. „Eine Mischung finde ich toll.“

Was Spanier über Deutsche denken, fragte Lena Sandrock. Die Deutschen hätten sich verändert, sagte der Botschafter. Sie seien toleranter als früher und ihre Mentalität offener.

Diplomatisch antwortete er auf die Frage, wer die nächste Fußballweltmeisterschaft gewinnt. Eigentlich habe Spanien das beste Team, aber seit dem Champions-League-Finale mit zwei deutschen Mannschaften tippe er auf Deutschland.

Von Achim Meyer und Mario Reymond

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