25-Jähriger vor der Jugendkammer – Ihm wird sexueller Missbrauch vorgeworfen

Beuteschema: Blond und zierlich

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Fulda. Die Akten auf den Tischen der Jugendkammer des Landgerichts Fulda sind dick, die Vorwürfe wiegen schwer: Ein heute 25 Jahre alter Mann, der zur Tatzeit in Hohenroda lebte, soll zwei Frauen mit Gewalt zum Sex gezwungen und per Internet-Chat mehr als 100 jungen Frauen Geld für Sex angeboten haben. Ein Dutzend dieser Frauen war unter 15 Jahre alt, die Jüngste war elf.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Mann sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung vor. Die ermittelnde Polizeibeamtin berichtete, wie die Ermittlungen in Gang kamen. Im Sommer 2010 habe es eine erste Anzeige gegeben, wonach der Angeklagte jungen Frauen Geld für Sex biete. Im Januar 2011 wandte sich ein Freund des Beschuldigten an die Polizei. Der Mann kontaktiere Frauen im Internet, habe seine Freundin vergewaltigt und besitze kinderpornografische Bilder.

Die Polizei durchsuchte die Wohnung. Auf den Computern fand sie zwar keine Kinderporno-Bilder, dafür aber mehr als 100 Protokolle von Internetchats. Der junge Mann hatte junge Frauen über die Chatprogramme ICQ, Schüler-VZ und Wer-kennt-wen kontaktiert.

Die jungen Frauen gehörten zwei Gruppen an: Einen Teil der Mädchen kannte er überhaupt nicht, einen anderen Teil kannte er – zum Teil aus der Jugendfeuerwehr. Was die Mädchen verband, war ihr Aussehen: „Er hatte ein bestimmtes Beuteschema: Klein, blond, zierlich“, sagte die Beamtin.

Kurzes Vorgeplänkel

Die verschiedenen Chats, die sich über eine Zeit von 2005 bis 2011 verteilten, verliefen nach dem Bericht der Beamtin immer nach dem gleichen Schema: Nach kurzem Vorgeplänkel fragte er seine Chatpartnerinnen, ob sie sich Geld verdienen wollten – für eine Gegenleistung, die er in derben Worten beschrieb.

In der Regel bot er 75 bis 100 Euro, Alkohol oder Zigaretten. In einem Fall erhöhte er sein Angebot bis 600 Euro. Seine Fragen wiederholte er hartnäckig. In einem Chat, der vor Gericht verlesen wurde, wies eine 13-Jährige den Angeklagten darauf hin, dass sein Angebot strafbar sei. Aus den Ermittlungen ergaben sich 100 bis 120 Vernehmungen und daraus 60 Anzeigen. Rund 15 Fälle, in denen die Mädchen unter 15 Jahre alt sind, kamen in die Anklage. Viele der Mädchen hätten Angst gehabt, dass der Angeklagte persönlich bei ihnen erscheinen wird, sagte die Kriminalbeamtin.

Die frühere Freundin des Angeklagten habe in einer ersten Vernehmung bestritten, dass ihr Freund sie misshandelt habe – aus Liebe zu dem Angeklagten, sagte die Polizistin. Später habe die damals 15-Jährige dann berichtet, dass der Mann sie wiederholt geschlagen habe, um seine sexuellen Wünsche erfüllt zu bekommen. Einmal habe er sie ans Bett gefesselt, einmal mit dem Messer bedroht, einmal mit einem Kissen fast erstickt. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Von Volker Nies

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