Nach 50 Jahren hat die Philippsthaler Feuerwehr ihr erstes Fahrzeug wiedergefunden

Besuch beim alten Horch

Wiedersehen: Ihrem ersten Einsatzfahrzeug, einem Horch Baujahr 1928, haben die Mitglieder der Philippsthaler Feuerwehr im Vogtland einen Besuch abgestattet. Eine Rundfahrt unternahmen (von links) Hartwig Klotzbach, Willi Braun und Fritz Schneider, die den Horch noch im Einsatz erlebt haben sowie Philippsthals Wehrführer Markus Koch und Sammler Rudolf Stöhr, dem der Oldtimer heute gehört. Foto: Eisenberg

Hohenölsen/Philippsthal. „Äy Junge, äy Junge“, entfährt es Willi Braun in Werrataler Mundart, als er die Fahrzeughalle im thüringischen Hohenölsen betritt. Der 92-jährige Philippsthaler steht einem alten Feuerwehrkameraden gegenüber, den er seit 50 Jahren nicht gesehen hat: Dem Horch Achtzylinder, Baujahr 1928. Er war das erste Auto der Philippsthaler Feuerwehr.

Um ihn zu sehen, sind die Brandschützer mit dem Reisebus ins Vogtland gekommen. Gebaut wurde der Oldtimer 1928 in Zwickau. Nicht als Feuerwehrauto, sondern als Limousine für den Philippsthaler Landgrafen. 1934 übergab Chlodwig von Hessen-Philippsthal-Barchfeld den Horch an die Feuerwehr. Den Umbau zum Mannschaftswagen erledigte die damalige Zweiradwerkstatt Schulz in Heimboldshausen. Das Fahrzeug, zu dem auch ein Anhänger mit Motorspritze gehörte, machte die Wehr zur ersten vollmotorisierten im weiteren Umkreis. „Als 1955 ein Opel Blitz angeschafft wurde, ist der Horch kaum noch mit ausgerückt“, erinnert sich Hartwig Klotzbach, der lange Feuerwehr-Kassierer war. Bis 1964 ist das Fahrtenbuch sauber geführt, am Ende findet sich der Vermerk „verkauft“. Das muss in einer Nacht-und-Nebel-Aktion geschehen sein. Willi Braun, der damals stellvertretender Ortsbrandmeister war, erfuhr erst hinterher davon. Wo der Horch abgeblieben war, wusste lange Zeit niemand. „Seit über 15 Jahren sind wir vergeblich auf der Suche“, erzählt der heutige Wehrführer Markus Koch.

Im Einsatz: Durch ihren Horch war die Philippsthaler Feuerwehr die erste vollmotorisierte im weiteren Umkreis. Das historische Foto wurde im Gutshof des Philippsthaler Schlosses aufgenommen, wo der Horch die meiste Zeit auch stationiert war. Foto: nh

Von all dem ahnte Rudolf Stöhr aus Hohenölsen im Landkreis Greiz nichts, als er zum Telefon griff und den Philippsthaler Wehrführer anrief. Stöhr hatte den Horch bei einem Berliner Sammler erworben und fahrbereit hergerichtet. Nun wollte er mehr zu seiner Historie erfahren und fand im Fahrzeugbrief den Hinweis auf das Werratal. So kam schließlich der Besuch zustande, zu dem auch Fritz Schneider mitgekommen ist. Sein Vater hatte den Horch als Chauffeur des Landgrafen gefahren. Einen originalen Druckmesser des Autos übergibt der 82-Jährige als Geschenk an den Sammler. Wie zuletzt vor 50 Jahren nehmen die Feuerwehr-Senioren auf den lederbezogenen Sitzbänken Platz und drehen gemeinsam mit dem neuen Besitzer knatternd eine Runde um den Hohenölsener Dorfteich. Am Feuerwehrhaus wartet schon der Rest der Reisegruppe mit gezückten Kameras und Smartphones. Für die Philippsthaler gibt es jetzt kein Halten mehr. Auch die Jungen, die das Auto nur aus Erzählungen kannten, schießen Fotos und bestaunen jedes Detail.

Jetzt hoffen alle, dass Rudolf Stöhr sie zum 825-jährigen Ortsjubiläum in zwei Jahren besuchen kommt. Natürlich mit dem Horch auf dem Tieflader. Auf eigener Achse wären die 200 Kilometer wohl zu weit. Außerdem würde der Oldie auch jede Menge Sprit fressen. „Der brauchte doch mindestens 20 Liter“, erinnert sich Fritz Schneider. „Wenn ich ihn gefahren habe, eher 30“, entgegnet Willi Braun.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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