Wochenendporträt: Karina Wiegand hat ihren Traumberuf im Forst gefunden

Besser als mancher Kerl

Kontakt: Vor dem Durchtrennen des sogenannten Haltebands legt Forstwirt-Auszubildende Karina Wiegand die genaue Fallrichtung der Eiche fest. Foto: Reymond

Rotenburg / Herfa. Karina Wiegand ist eine von wenigen jungen Frauen, die in Hessen den Beruf der Forstwirtin erlernen. Bei Wind und Wetter immer unter freiem Himmel zu arbeiten, macht ihr Spaß. Auch nach ihrer Ausbildung möchte sie noch ein bis zwei Jahre direkt am Baum, also im Wald arbeiten.

Ausgebildet wird die 20-Jährige vom Forstamt Rotenburg. Und für dieses ist sie derzeit im Revier Herfa unterwegs. Darüber, dass sie ihre tägliche Arbeit ordentlich erledigt, wacht Forstwirtschaftsmeister Peter Hujo aus Lengers. Der 58-Jährige lobt seinen Schützling als ambitioniert und ehrgeizig. „Karina hat bei der Zwischenprüfung so manchen Kerl in den Sack gesteckt“, merkt Hujo an.

Freund als Motivator

Ein wenig dürfte das auch an seiner Ausbildung gelegen haben. Vielleicht aber auch an der Unterstützung durch ihren Freund. Der ist wie Karina auch angehender Forstwirt und will später Förster werden. „Er hat mich sehr motiviert. Immer wenn ich zu kritisch mit mir bin, unterstützt er mich positiv“, merkt die angehende Forstwirtin an. Die beiden führen eine Fernbeziehung, da er in den Wälder in der Schwalm unterwegs ist und derzeit in Jesberg wohnt. Die beiden sehen sich hin und wieder an den Wochenenden. Oder während des Blockunterrichts am forstlichen Bildungszentrum in Weilburg. Dann besuchen beide dieselbe Klasse.

Karina hat es derweil nach Friedewald verschlagen. „Ich hatte mich bei allen ausbildenden Forstämtern in Hessen beworben und bin schließlich bei dem in Rotenburg gelandet.“

Eigentlich stammt die 20-Jährige aus Spielberg im Main-Kinzig-Kreis. Dorthin zieht es sie in ihrer wenigen Freizeit auch immer wieder einmal. Denn als aktive Fußballerin der BSC Spielberg will sie wenigstens hin und wieder dem runden Leder nachjagen.

Beim Sport holt sie sich ohnehin die nötige Fitness, um bei der harten Arbeit im Wald bestehen zu können. Alleine die große Kettensäge wiegt mehr als zehn Kilogramm.

Start mit Praktikum

Den Spaß am Forst entdeckte sie während eines Praktikums beim Constantia-Forstamt in Wächtersbach. „Das war im Jahre 2010. Und seitdem will ich nichts anderes mehr tun“, sagt die eher zierliche junge Frau. Und ihr Ausbilder fügt an: „Kraft und Schnelligkeit sind im Forst auch nicht alles. Bei uns kommt es auf Präzision an. Und da hat Karina ein sehr gutes Auge.“ Gerade beim Fällen von Bäumen steht die Sicherheit an oberster Stelle. Nur zu schnell ist etwas passiert. „Die Arbeit im Forst ist immer gefährlich“, merkt Hujo an. Dennoch will Karina Wiegand über ihren Abschluss im August 2015 und die sich dann anschließenden ein bis zwei Jahre als „Holzfällerin“ dem Wald auf jeden Fall verbunden bleiben. „Ich möchte mich dann in Richtung Waldpädagogik bewegen und generationenübergreifend Menschen die Natur näherbringen. Denn der Wald steckt voller Geheimnisse.“

Von Mario Reymond

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