Heimatverein Schenklengsfeld führt Besucher zu drei historischen Friedhöfen

Begraben, nicht vergessen

Der gute Ort: Führungen zu drei Grabstätten in Schenklengsfeld hatte der örtliche Heimatverein zum internationalen Museumstag angeboten. Hier erklärte Vorsitzender Karl Honikel (Zweiter von links) auf dem jüdischen Friedhof den Besuchern Inschriften der Grabsteine sowie Abläufe der Begräbniskultur. Foto: roda

Schenklengsfeld. Zum internationalen Museumstag am Sonntag beteiligte sich der Heimatverein Schenklengsfeld gleich mit drei Führungen zu historischen Grabstätten.

Unter dem Thema „Begraben und nicht vergessen“ begann Vorsitzender Karl Honikel seine Vortragsreihe vormittags auf dem jüdischen Friedhof. Dieser wurde erst 1870 angelegt, obwohl bereits im 15. Jahrhundert jüdische Familien in dem Hauptort des Landecker Amtes ansässig waren. Zuvor mussten die Angehörigen ihre Toten noch in Mansbach auf einem jüdischen Sammelfriedhof beerdigen.

Honikel erklärte den Besuchern zudem Beerdigungsrituale und die in den Grabsteinen noch zu erkennenden Symbole sowie hebräischen Schriftzeichen, welche oft traditionellen Vorbildern gefolgt seien. Als letzte Person der ehemals jüdischen Gemeinde wurde am 14. April 1938 die 84 Jahre alte Klara Katzenstein auf dem so genannten „guten Ort“ begraben.

Der Friedhof wird heute vom Regierungspräsidium in Kassel verwaltet. Die Gemeinde Schenklengsfeld erhält jährlich 900 Euro für die Pflege der Anlage.

Gleichfalls waren die Mauritiuskirche und der Kirchhof vormals Grabstätten, die zuletzt allerdings den Adeligen und hohen Landesbeamten zustanden. Honikel wies auch hier auf die entsprechenden Merkmale in Form von Sandsteinplatten hin.

Größte Anlage früherer Begräbniskultur ist der historische Friedhof mitten in Schenklengsfeld mit 270 Denkmälern aus drei Jahrhunderten. Diese sind für den Vorsitzenden des Heimatvereins wegen ihrer Vielfalt in Form und Gestaltung ein wertvolles Dokument der ländlichen Gebräuche in der hiesigen Region. Die reiche Ausschmückung der Vorderseite mit Personen, Engeln, Blumen und der Krone des Lebens zeugten von der hohen handwerklichen Kunstfertigkeit der örtlichen Steinmetze. Und auch zur Verwendung des Predigerhäuschens auf dem historischen Friedhof gab Karl Honikel Informationen, die den Besuchern bisher so nicht bekannt waren. (ha)

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