Fragen und Antworten zur RP-Genehmigung für K+S – Salzabwasser-Leitung aus Neuhof zur Werra

Baustart in Hohenroda und Philippsthal

Ein Dorf, eine Fabrik, ein riesiger Salzberg: Diese Halde fester Abfallstoffe des K+S-Standorts Neuhof-Ellers bei Fulda soll ihre Abwässer, die der Regen auswäscht, per Rohr zur Werra entsorgen. Foto: Archiv

? Was ändert sich für die Werra mit dem Bau der Pipeline aus Neuhof?

!Das Abwasser, das seit 2007 in Tankzügen anrollt, kommt dann im Rohr. K+S teilte gestern zur druckfrischen RP-Genehmigung mit: „Die Arbeiten werden in wenigen Tagen im Bereich der Gemeinden Hohenroda und Philippsthal beginnen und aus heutiger Sicht bis zum Frühjahr 2013 andauern.“

? Wird’s unterm Strich mehr? Das Werk Werra nutzt den Fluss auch als Abwasserkanal ...

!Lässt sich schwer sagen. Die Mengen schwanken von Jahr zu Jahr. Sie sind von der Produktion abhängig und vom Regen: Geht die Werra hoch, darf viel Fabrik- und Haldenabwasser rein, bei langer Trockenheit gar nichts. Und: K+S will ja nicht nur aus Neuhof die 700 000 bis 1,4 Mio. Kubikmeter (in regenreichen Jahren) zur Werra holen, sondern für 360 Mio. Euro gleichzeitig an den Standorten hier seine Abwässer stark reduzieren. Das geht auch gar nicht anders, weil das Land Hessen den zweiten Entsorgungsweg – die Salzabwasser-Versenkung in den Untergrund – aus Trinkwasserschutzgründen baldmöglichst stilllegen muss. Die Erlaubnis läuft bis 2015. Je nachdem, wie stark und wie schnell dann der Versenk-Hahn zugeht, könnte der Druck auf die Werra steigen.

? Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

!Abwässer, die nicht mehr in die Versenkung dürfen, müssen in den Fluss. Einen anderen Entsorgungsweg im Großmaßstab hat K+S nicht. Die Alternative wären Produktionseinschränkungen. Oder völlig neue Lösungen. Vorerst hat der Fluss im Vergleich schlechte Karten: Weil er schon seit 100 Jahren als Abwasserkanal dient und weil Schutzrechte für Oberflächengewässer weniger streng sind als für Grund- und Trinkwasser.

? Völlig neu wäre die Verlängerung der Neuhof-Röhre, im Idealfall bis zur Nordsee ...

!Das ist die Lösung, die zumindest in Hessen und Thüringen breite Mehrheiten findet. Weil sie das Hin- und Herschieben von Salzabwässern zwischen Einleitung in die Werra und Versenkung in den Untergrund beenden könnte – ein für alle Mal. Ins lange Rohr könnten auch die gigantischen weißen Salzberge im Kalirevier. Deren salzige Regenauswaschungen müssen noch über Jahrhunderte entsorgt werden.

? Es gibt starke Einwände etwa der Werra-Weser-Anrainerkonferenz (WWA) gegen den Abwasserzufluss aus Neuhof. Was meint die WWA?

!Sie nannte die Fernleitung zum Meer gestern eine Fiktion: „Welches Unternehmen würde ernsthaft daran denken, 360 Mio. Euro zur Reduzierung der Werraversalzung aufzuwenden, wenn diese Investition schon 2020 überflüssig würde?“ Und weiter: „Vor dem Bundesverwaltungsgericht ist eine Klage von Anrainern anhängig. Dessen Entscheidung hätte das RP Kassel abwarten sollen, denn dort wird sich erstmalig der Europäische Gerichtshof zur Frage der Werraversalzung äußern.“

? Gestern wurde die Einleitung aus Neuhof genehmigt, Ende November steht die Einleitung des Werkes Werra zur Verlängerung an. Prognose?

!Der Antrag ist gestellt. Sowohl K+S als auch das RP lassen durchblicken, dass am alten Chloridgrenzwert (2500 mg/l) von 1942 wahrscheinlich noch nicht gedreht wird.

Von Wolfgang Riek

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