Posaunenchor der SELK in Widdershausen feiert sein 125-jähriges Bestehen

Basis der Kirchenmusik

Harmonischer Klangkörper: Bereits im Jahr 1910 war der Posaunenchor der SELK-Gemeinde in Widdershausen ein fester Bestandteil im kirchlichen Leben. Damals wie heute bereichert er mit seinen Liedern vielerlei Veranstaltungen. Foto: nh

Widdershausen. Vor nunmehr 125 Jahren wurde der Posaunenchor der selbständig evangelisch-lutherischen Kirche (SELK) in Widdershausen gegründet. Am kommenden Samstag, 28. September, wollen die Instrumentalbläser der St. Thomas-Gemeinde dieses Jubiläum mit einem Konzert ab 19 Uhr in der Kirche feiern.

Anschließend findet ein Empfang im Gemeindesaal nebenan statt. Gleichfalls soll am Sonntag, 29. September, während eines Festgottesdienstes ab 10 Uhr der langen Epoche kirchenmusikalischen Wirkens gedacht werden.

Die Entstehung des Posaunenchors geht auf ein Missionsfest im Jahr 1887 in Widdershausen zurück, als auswärtige Bläser auf dem Weg nach Heringen Lieder sehr zum Wohlgefallen junger Burschen spielten. Dieses Erlebnis weckte den Wunsch, selbst zu musizieren und unter Leitung von Hermann Wehmeier im Frühjahr 1888 mit den Proben zu beginnen.

Die ersten elf Instrumente wurden für 452,50 Mark von der Firma August Clemens Glier aus Markneukirchen in Sachsen geliefert. Laut Chronik waren Pfarrer Hast und Dirigent Adam Ruch maßgeblich an der Gründung beteiligt. Als Mitgliedsbeitrag wurden damals 20 Pfennige pro Monat festgelegt.

Ruch leitete den Chor bis 1912. Während dieser Zeit steigt die Mitgliederzahl und weist laut Kassenbuch im Jahr 1902 bereits 20 Bläser aus. Nachfolger von Ruch wird der Schneidermeister Georg Reichhardt, der den Posaunenchor bis 1950 dirigiert. Zu den regelmäßigen Aufgaben gehört nun die musikalische Mitgestaltung von Missions- und Posaunenfesten.

Am 14. Juni 1908 findet sogar das erste Posaunenfest lutherischer Posaunenchöre aus ganz Hessen in Widdershausen mit etwa 80 Bläsern statt. Verbunden damit wird zudem eine Vereinigung aller beteiligten Chöre gegründet.

Von den Folgen des 1. Weltkrieges sowie der Zeit danach bleibt auch der Widdershäuser SELK-Posaunenchor nicht verschont, bekommt aber im Jahr 1921 Verstärkung durch einige Nachwuchsbläser. Teilnahmen an Posaunenfesten sowie Besuche bei anderen lutherischen Gemeinden bereichern fortan das musikalische Wirken.

Schmerzliche Trennung

Der 2. Weltkrieg und die anschließende Teilung Deutschlands bewirkt eine schmerzliche Trennung vor allem von den vertrauten Nachbargemeinden aus Thüringen. Das erste Posaunenfest nach dem Krieg wird 1955 gefeiert. Seit 1950 leitet Georg Thenert den Chor. Zum Fest im Jahr 1961 kamen sogar um die 1000 Teilnehmer nach Widdershausen. Der Heringer Stadtteil ist zudem beim 100-jährigen Jubiläum in 1988 für zwei Tage kirchenmusikalischer Mittelpunkt vieler Posaunenchöre der SELK-Gemeinden aus Hessen, Süddeutschland, der damaligen DDR und dem Elsass. Auch im Jubiläumsjahr musizieren die Instrumentenbläser des SELK-Posaunenchors unter anderem vor und während des Gottesdienstes. Gleichfalls bekommen Gemeindeglieder ab dem 80. Geburtstag, zu grünen und zu Jubiläumshochzeiten musikalische Glückwünsche überbracht. (ha)

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