Wochenend-Porträt: Anastasia Hamm ist Auszubildende des Monats

Ein Auto für die Beste

Die Beste des Monats: Anastasia Hamm darf als beste Auszubildende des Monats ein vom Hotel gestelltes Auto fahren. Das Fahrzeug abstellen kann sie auf einem für sie vor dem Eingang des Hotels reservierten Parkplatz. Foto: Stehr

Friedewald. Nein, damit hatte Anastasia Hamm nun wirklich nicht gerechnet. Aber jetzt ist sie stolz – sie ist Auszubildende des Monats in Göbels Schlosshotel in Friedewald. „Ich wurde ins Büro des Chefs gerufen und der hat mir dann ganz herzlich gratuliert“, erzählt die 22-Jährige.

Seit zwei Jahren absolviert sie ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau. In einem halben Jahr will sie die letzte Prüfung hinter sich gebracht haben. „Ich durfte meine Ausbildungszeit verkürzen“, sagt sie.

Als Auszubildende des Monats hat sie aber noch ein ganz anderes Privileg: Sie darf einen Monat lang ein Auto fahren, das sie vom Hotel gestellt bekommt. Inklusive Benzin. Was noch mehr Freude bereitet: Sie darf mit dem Auto direkt neben dem Eingang zum Hotel parken. „Das ist wirklich etwas Besonderes“, meint sie, „ich habe zwar ein Auto, doch jetzt kann ich Sprit sparen.“

Dass Anastasia Hamm, die in Russland geboren wurde und seit ihrem zweiten Lebensjahr in Bebra wohnt, in ihrer Ausbildung einmal zu den Besten gehören würde, war lange nicht absehbar. Nach ihrem Realschulabschluss begann sie zunächst eine Ausbildung bei einer Versicherung. Diese brach sie ab. Dann versuchte sie es als Reiseverkehrskauffrau. Auch das war nicht das Richtige für sie. „Ich habe gemerkt, dass mir ein reiner Bürojob nicht liegt“, erzählt sie. Bevor sie ihre Ausbildung im Hotel begann, wollte sie sich ganz sicher sein, ob es diesmal das Richtige ist. „Ich sollte ein paar Tage zur Probe arbeiten. Doch ich habe darauf bestanden, dass es mindestens eine Woche ist. Ich wollte alle Abteilungen kennenlernen“, sagt Anastasia Hamm. Ihr gefiel die Arbeit, ihren Vorgesetzten gefiel, wie sie diese erledigte und so blieb sie dabei.

„Jeder, der sich für einen Beruf im Hotelfach bewirbt, muss wissen, dass es ein wirklich harter Job ist. Gerade für Frauen, obwohl die meisten Auszubildenden zurzeit Frauen sind“, erklärt sie und weist darauf hin, dass es Schichtdienste gibt und auch an Wochenende sowie an Feiertagen gearbeitet werden muss. „Aber man merkt, gerade im Service, sofort, ob man seinen Job gut macht oder nicht. Die Gäste geben einem mit ihrem Verhalten sofort eine Rückmeldung.“

Karriere und Familie

Wohin ihr Weg nach der Ausbildung führen wird, weiß sie noch nicht. „Ich möchte gern in der Region bleiben. Aus familiären Gründen“, sagt sie. Ein neues Tagungshotel in Morschen hat es ihr angetan. Aber auch ein Verbleib in Friedewald ist möglich. „Ich möchte in den nächsten Jahren Karriere machen, dann eine Familie gründen und wieder zurück in meinen Beruf“, macht sie ihre Pläne deutlich. Veranstaltungen organisieren und verwirklichen – das ist es, was ihr am meisten liegt.

Wenn sie mit ihrem Freund am Abend einmal essen geht, dann kann sie es nicht lassen, zu schauen, wie andere einen Tisch eindecken und servieren. „Manchmal sage ich dann zu meinem Freund: So macht man das nicht“, erzählt sie lächelnd. Das kann sie sich auch leisten – als Auszubildende des Monats.

Von Claudia Stehr

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