Arthur Bock aus Hillartshausen feiert am 7. November seinen 100. Geburtstag

Freiübungen halten ihn fit

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Immer mit einem Lachen im Gesicht: Der in Oberschlesien geborene, in Marburg verheiratete und jetzt in Hillartshausen lebende Arthur Bock wird heute 100 Jahre alt. Neben der Nichte Christa Jacob gratulieren die Neffen Michael und Dr. Thomas Bock sowie viele weitere Gäste.

Hillartshausen. Der in Oberschlesien geborene, in Marburg verheiratete und jetzt in Hillartshausen lebende Arthur Bock wird am 7. November 100 Jahre alt.

„Ich bin ein alter Turner!“, sagt Arthur Bock. „Geräteturnen, Schwimmen, Radfahren – ich habe alles gerne gemacht und dabei bin ich irgendwie alt geworden! Aber ich frage nicht nach dem Alter!“

Warum auch! Wenn man den seit drei Jahren in Hillartshausen bei seiner Nichte Christa Jacob lebenden, am 7. November vor einem Jahrhundert in Klein Kottulin im preußischen Kreis Tost-Gleiwitz in Oberschlesien geborenen Jubilar mit strahlenden Augen erzählen hört, wie er als Sonntagskind „mittags um 12 Uhr“ als zweites Kind der Eheleute Hedwig und Bartholomäus Bock auf die Welt gekommen ist, meint man, es wäre erst gestern gewesen. Wie er zur Volksschule gegangen ist, anschließend zum Gymnasium Johanneum in Groß Strehlitz, das seinerzeit auch der spätere, ein Jahr jüngere FDP-Vorsitzende Erich Mende besuchte, dem er in den Fünfziger Jahren noch einmal begegnete – alles ist ihm noch präsent.

Aber es waren nicht nur glückliche Tage, die er mit der älteren Schwester, dem jüngeren Bruder und den Eltern verbrachte. Nach Abitur und Ausbildung zum Textilkaufmann rief die Wehrmacht, bei der er es im Krieg, mehrfach verwundet, bis zum Hauptmann brachte, bei der er 1944 nach der Invasion der Alliierten allerdings auch in der Bretagne Gefangenschaft geriet. In gewisser Weise privilegiert verschlug es ihn bis nach Amerika: „Ich habe den Mississippi und die Rocky Mountains gesehen und Mormonenfamilien bei der Kartoffel- und Rübenernte geholfen. Wer arbeitete, kam eher nach Hause!“

Da ihm der Krieg sein Zuhause genommen hatte, gab er als Entlassungsadresse „Rotenburg“ an. Der Grund: 1940 hatte Bock bei der Verlegung seiner Einheit in Richtung Frankreich die hessisch-thüringische Grenzregion und einige ihrer Menschen kennengelernt, sodass er hoffte, dass das Leben von hier aus weitergehen könnte. Und so geschah es dann auch. Als er seine Ehefrau Therese, geborene Keitel, von der er noch immer als „mein Röschen“ spricht, kennen- und lieben gelernt hatte, hieß es ab nach Marburg, wo die beiden 1948 heirateten. Mit ihr zusammen leitete er das traditionsreiche Tabakwarengeschäft Keitel. Besonders engagierte er sich in der Oberstadtgemeinde, deren ältestes Mitglied er ist, und in der Kolpingfamilie Marburg.

Nach Verpachtung ihres Geschäfts, das als ältestes Fachgeschäft für Feuerwerkskörper in ganz Nordhessen galt, unternahmen die Eheleute Reisen – einmal mehr bis nach Amerika. Viel Zeit verbrachten sie auch in ihrer Oberstdorfer Ferienwohnung, wo Therese 1996 verstarb.

Nach einigen Jahren des Alleinseins lebt Arthur jetzt bei seiner zweimal verwitweten Nichte Christa, die 1957 mit Mutter und Großmutter von Oberschlesien nach Hessen gekommen und bei ihm in die Lehre gegangen war. Bei ihr fühlt er sich sehr wohl. Zu seinem Tagesablauf gehört nach dem Frühstück das ausgiebige Lesen der Hersfelder Zeitung und nach dem Mittagessen das Studieren der Oberhessischen Presse. Beides mit einem Lesegerät. Nach seinem Rezept für ein glückliches und langes Leben befragt, verweist er auf viel Bewegung (bis heute fährt er jeden Tag mit dem Rollator auf die Terrasse, um dort Freiübungen zu machen) und die „goldene Mitte“: „Man sollte nichts übertreiben und es immer mit der Regel des Heiligen Benedikt halten: Ora et labora – bete und arbeite!“ Oder wie er auch sagt: „Laufen, lesen, lachen, loben, lieben –den Nächsten, dich selbst und den Herrgott!“ (apl)

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