Stadt Heringen informiert über Straßenbau – Alter Kanal wurde nicht verpresst

Anwohner sind empört

Soll saniert werden: Die Heimboldshäuser Straße im Heringer Stadtteil Wölfershausen. Ungereimtheiten bei früheren Kanalarbeiten sorgen derzeit für Wirbel.

Wölfershausen. Was kommt auf die Anwohner der Heimboldshäuser Straße in Wölfershausen bei den Straßenbauarbeiten zu? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Anliegerversammlung im Dorfgemeinschaftshaus des Heringer Stadtteils.

Das Straßen- und Verkehrsmanagement Hessen will in der Ortsdurchfahrt die Landesstraße 3306 erneuern. Das Bauvorhaben hatte für Wirbel in der Heringer Stadtpolitik gesorgt. Es war aufgefallen, dass bei früheren Kanalbauarbeiten ein Altkanal der Stadt nicht verpresst worden war. Dafür notwendige überplanmäßige Ausgaben verwies das Stadtparlament in die Ausschüsse. Die jüngste Parlamentssitzung war nicht beschlussfähig. Bürgermeister Hans Ries fürchtet durch die Verzögerung den Verlust von Fördergeld. (unsere Zeitung berichtete).

Die Anwohner erfuhren vom Bürgermeister, dass das Verpressen seinerzeit nach der Ausschreibung im Leistungsverzeichnis der Baufirma mit einem Cent pro laufendem Meter angegeben worden sei. Warum die Arbeiten nicht erledigt wurden, sei nicht ersichtlich, auch eine entsprechende Protokollnotiz der Bauleitung fehle.

„Wenn man das Verpressen für einen Cent angeboten hat, ist man doch von vorneherein davon ausgegangen, dass man es nicht machen muss“, mutmaßte Ries.

An den maroden Altkanal, an den immer noch Abflüsse angebunden sind, sei einfach die neue Rohrleitung angeklemmt worden, berichtete der Verwaltungschef.

„Da ist doch stümperhaft gearbeitet worden“, „Wir sollen jetzt für die Fehler bezahlen“, empörten sich Bewohner des Straßenzuges. Die zusätzlichen 180 000 Euro für das versäumte Verpressen trage vorerst der Steuerzahler. Die Kanalarbeiten waren unter Ries Vorgänger Rolf Pfromm auf den Weg gebracht und nach dem Amtswechsel fertiggestellt worden. Teuer könnte es auch für manche Anwohner werden. Die Hauseigentümer, deren Abwasserleitungen bis zum Hauptkanal seinerzeit nicht vollständig saniert wurden oder noch am alten Kanal hängen, müssen die Abwasserleitungen bis zum neuen Hauptkanal auf eigne Kosten bauen.

„Wenn die Arbeiten nicht überwacht wurden, wofür brauche ich dann überhaupt eine Bauleitung?“, sprach Michael Ernst, Büroleiter im Heringer Rathaus aus, was sich wohl auch viele Bewohner im Saal fragten. Sein Einwurf richtete sich an Tobias Dockhorn vom mit der Bauleitung beauftragen Planungsbüro Bechtel in Bebra. Dieser betonte zwar, dass, anders als vom Bürgermeister dargestellt, die Kanäle seinerzeit mit einer Kamera befahren worden seien. Warum die Altkanäle nicht verpresst worden waren, erfuhren die Bewohner von ihm nicht.

Am heutigen Donnerstag, 12. Juli, werden sich die Heringer Stadtverordneten erneut mit dem Thema befassen. Die Sitzung beginnt um 19 Uhr im Bürgerhaus.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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