HZ-Interview mit Uwe Kondziella, dem Organisator des Philippsthaler Oldtimertags

Alte Autos faszinieren

Uwe Kondziella: Der Vorsitzende der Philippsthaler Werbegemeinschaft mit seinem Prachtstück auf vier Rädern, einem Autounion 100s – Baujahr 1961. Foto: Konopka

Philippsthal. Wo museumsreife Autos vorfahren, können sie sich des Publikumsinteresses sicher sein. Deutschlandweit investieren viele Clubs und Sammler Zeit und Arbeit in die Pflege von Oldtimern. Über die Faszination der alten Autos sprachen wir mit Uwe Kondziella. Der selbständige Kfz-Meister organisiert als Vorsitzender der Werbegemeinschaft den 6. Philippsthaler Oldtimertag am 1. Juni und besitzt selbst drei betagte Personenwagen, einen Traktor und ein Motorrad.

Herr Kondziella, wieso verlieren viele ihr Herz an alte Fahrzeuge?

Uwe Kondziella: Das ist wohl der Nostalgie-Wahn (lacht). Ein Bekannter, der selbst Oldtimer sammelt, hat mir prophezeit: Auch du wirst vom Virus befallen. Dann bekam ich von meinem Schwiegervater den Mercedes 200/8 Baujahr 1975, und der Bekannte behielt recht. Ich hatte den Virus. Alte Autos sind eben auch ein Kulturgut, man hat sie vielleicht als Jugendlicher gefahren und damals selbst daran herumgeschraubt.

Die Liebe zu alten Autos ist demnach keine Frage des Lebensalters?

Kondziella: Das kann man so sagen. Es kommen auch viele junge Leute auf die Oldtimer-Treffen. Manche Menschen beschäftigen sich auch mit diesem Hobby, um dem Alltag zu entfliehen, in eine andere Welt und Zeit einzutauchen.

Liegt es auch an der Ästhetik – wurden früher schönere Autos gebaut?

Kondziella: Ja, die alten Modelle haben weichere Formen, man achtete bei der Konstruktion noch nicht so sehr auf den geringen Luftwiderstand. Außerdem bewegt der Fahrer diese Wagen noch selbst, ohne Servolenkung und elektrische Fensterheber. Das ist ein ganz anderes Fahrerlebnis. Natürlich hat jeder Oldtimer-Besitzer, mit dem Sie sprechen, das schönste Auto überhaupt.

Was haben Sie denn für Oldtimer?

Kondziella: Einen Mercedes 190 Ponton, einen Autounion 1000s, einen Mercedes 200/115, einen Fordson Traktor, ein Motorrad Miele K 30 und mit dem Opel Kadett E Gsi einen Youngtimer aus dem Jahre 1989.

Ist da auch Ihr Traumauto dabei?

Kondziella: Nein. Das ist ein Mercedes 190 SL. So einen Wagen hat auch die Rosemarie Nitribitt gefahren. Diese Fahrzeuge sind ab 200 000 Euro zu haben – also eigentlich unbezahlbar. Aber mein Traummotorrad, eine NSU Max mit zwei Schwingsatteln, werde ich mir sicher noch gönnen.

Was ist mit der Umweltbelastung? Die alten Wagen haben doch keinen Abgaskatalysator, stoßen jede Menge CO2 aus und brauchen viel Treibstoff.

Kondziella: Diese Autos werden im Alltag nicht bewegt und nur zu den Treffen gefahren. Ich packe auf meine Fahrzeuge maximal 200 bis 300 Kilometer im Jahr drauf. Da gibt es in Deutschland ganz andere Dreckschleudern.

Werden die Oldtimer allmählich weniger oder ist der Nachschub an alten Autos auch für die Zukunft gesichert?

Kondziella: In 30 Jahren wird sich garantiert die Abwrackprämie auswirken – die betroffenen Fahrzeugtypen wird es dann einfach nicht mehr geben. Und die Ami-Schlitten, die Spritfresser mit 20, 25 Litern auf hundert Kilometern, die kann sich bei den heutigen Benzinpreisen kaum noch jemand leisten. Aber sonst werden die älteren Autos, die jetzt noch in Privatbesitz sind, auch weiterhin gepflegt werden.

Was wünschen Sie sich für den Oldtimertag am kommenden Sonntag?

Kondziella: Sonnenschein. Bei unseren letzten beiden Veranstaltungen hat es immer wie aus Kübeln geschüttet. Wenn die Sonne scheint, rechne ich auch mit einer wesentlich besseren Beteiligung. Vor zwei Jahren waren etwa 100 Oldtimer dabei. Wenn die Sonne lacht, werden es bestimmt 200 bis 250 Fahrzeuge. Am Sonntagmorgen wissen wir mehr, denn wir machen die Anmeldung erst direkt im Schlosspark.

Von Mario Reymond

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