Ernüchterung: Sozialdemokraten stellen erstmals nicht den Bürgermeister in Hohenroda

„Alles muss auf den Prüfstand“

Hohenroda. Noch vor sechs Jahren trat Amtsinhaber Jörg Schäfer bei der Bürgermeisterwahl in Hohenroda ohne Gegenkandidaten an. In der SPD-Hochburg habe ein Bewerber einer anderen Partei keine Chance, hieß es damals aus den Reihen der Opposition.

Am Sonntag gewann der 27-jährige Andre Stenda, der von CDU, FDP und Freien Wählern unterstützt wurde, die Bürgermeisterwahl mit 70,7 Prozent der Stimmen. SPD-Kandidat Frank Hildebrand holte in der einstigen Hochburg der Sozialdemokraten nur 26,9 Prozent der Stimmen. Erstmals seit Zusammenschluss der Ortsteile zur Großgemeinde 1971 stellt die SPD dort nicht den Bürgermeister.

Entsprechend gedrückt war bei den Sozialdemokraten am Tag nach der Wahl die Stimmung. „Ich hätte damit gerechnet, dass Frank Hildebrand es schafft“, sagte der erste Beigeordnete von Hohenroda und Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Ransbach, Hans-Albert Pfaff enttäuscht. „Das hatte weniger mit dem Kandidaten als mit der SPD zu tun, der Bürger wollte den Wechsel“, gibt Pfaff sich selbstkritisch. Dass sich seine Partei im Wahlkampf zu siegessicher gewesen sei, glaubt er indes nicht: „Wir haben Herrn Stenda nicht unterschätzt.“ In Hohenroda werde die Partei aus dem Wahlausgang Konsequenzen ziehen. „Der Kurs muss neu überdacht und die Partei nach Möglichkeit verjüngt werden. Alles muss auf den Prüfstand“, so Pfaff.

„Ich hätte bei drei Kandidaten zumindest mit einer Stichwahl gerechnet“, sagte der Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Hersfeld-Rotenburg, Torsten Warnecke, gegenüber unserer Zeitung. Das vergleichsweise schlechte Abschneiden des SPD-Kandidaten erklärte er sich unter anderem durch ein gewisses Konkurrenzdenken zwischen den Ortsteilen, das sich bereits in der Diskussion um den Schulstandort gezeigt habe. Im Ortsteil Ransbach habe Hildebrand mit 48,2 Prozent der Stimmen ein deutlich besseres Ergebnis als in den anderen Orten. Bei Personenwahlen gehöre der Sieger häufig nicht der Partei der Mehrheitsfraktion an.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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