Heringer wehren sich gegen geplante Renaturierung

Ärger am Fluss

Die Idylle trügt: Eigentlich ist die Werra bei Widderhausen ein ruhiger Fluss, doch die geplante Renaturierung erregt die Gemüter. Foto: Struthoff

Widdershausen. Heringen und die Werra – das ist eine unendliche Geschichte. Die Menschen leben am Fluss, sie lieben den Fluss, aber immer neue Umweltauflagen machen ihnen das Miteinander schwer. Nicht nur das Dauerthema Versalzung, sondern auch das Natura 2000-Projekt der Europäischen Union erhitzt derzeit die Gemüter in der Werra-Gemeinde.

Bürgermeister Hans Ries hatte bei der Bürgerversammlung vor rund 90 erzürnten Heringern ein Heimspiel ohne Gegner, denn die Obere Naturschutzbehörde war nicht vertreten. Sie aber muss im Auftrag des Landes für das Projekt „Benehmen herstellen“ – ein juristischer Ausdruck, der allerdings nicht das Einvernehmen der anderen Seite, also Heringens, voraussetzt.

Viele Vorbehalte

Hans Ries nutzte daher die Gelegenheit, um gegen das Vorhaben, den Flusslauf durch das Anlegen neuer Seitenarme zu verändern, heftig zu wettern. „Naturschutz ist wichtig, aber nur wenn man ihn mit und nicht gegen die Menschen macht“. Da hatte er das Publikum, darunter viele K+S-Mitarbeiter aber auch Landwirte, auf seiner Seite. Tief sitzt im Kali-Revier der Zorn auf „die da oben, die uns nur schuriegeln wollen“. In der Tat steht die vorgesehene Renaturierung im Zusammenhang mit der Wasser-Rahmen-Richtlinie der EU, die hier in das Natura 2000-Projekt integriert wurde.

„Es geht nicht um den Hochwasserschutz, sondern um Renaturierung“, sagte Hans Ries und verwies bei der Bürgerversammlung auf die Nachteile für Heringen. Er befürchtet eine weitere „Versumpfung“ der landwirtschaftlichen Flächen am Fluss. Auch die Pläne, den „Schwarzen Graben“, einen Werra-Zufluss, zu erweitern, stießen auf Widerstand. Denn entlang des Grabens verläuft die einzige fußläufige Verbindung zwischen Heringen und Widdershausen, die auch als Radweg genutzt wird. Auch der Plan, den Fluss durch den bisherigen Kiessee zu leiten, sei bedenklich, denn dort liege der Salzgehalt durch Aussickerungen aus dem Erdreich deutlich höher als in der Werra und würde daher den Fluss weiter belasten.

Ohnehin, so argumentiert Ries, sei der Werra-Lauf in der Vergangenheit wegen der Kali-Industrie bereits massiv verändert, der Fluss sogar angehoben worden. Er plädiert deshalb dafür, dass voraussichtliche Ende der Kali-Industrie im Werra-Tal in etwa 40 Jahren abzuwarten, ehe die Werra umgebaut wird.

Klare Absage aus Heringen

Seine Bürger weiß Hans Ries nach diesem Abend hinter sich, zumal auch noch Gerüchte über mögliche Enteignungen der betroffenen Grundstückseigentümer am Fluss die Runde machten. Freiwillig verkaufen aber wollte auch keiner der Bürger im Saal. Einmütig erteilten daher alle dem Renaturierungs-Vorhaben eine Absage. Es wurden sogar Stimmen laut, die eine Demonstration aller Werrataler beim RP in Kassel forderten. „Die Menschen hier lehnen diesen Unfug ab“, resümierte Ries.

Von Kai A. Struthoff

Kommentare