Im Schenklengsfelder Ortsteil Wippershain haben die Straßen Nummern statt Namen

Adressen im Uhrzeigersinn

Nummeriert im Uhrzeigersinn: Albert Höhmann, Vorsitzender des Heimatvereins (links) und Ortsvorsteher Horst Wagner an einem Mast mit mehreren Straßenschildern. Foto: Miehe

Wippershain. Eine Besonderheit sorgt bei Besuchern des Schenklengsfelder Ortsteils Wippershain immer wieder für Verwunderung: Die Straßen haben dort keine Namen wie in anderen Orten, sondern wurden durchnummeriert.

Ortsvorsteher Horst Wagner und Albert Höhmann, der Vorsitzende des Heimatvereins, erklären, wie es dazu kam: Diese Besonderheit gehe auf die Gebietsreform zurück. Insbesondre Albert Höhmann erinnert sich noch als Zeitzeuge lebhaft an das kommunalpolitische Gezerre. Verlor Wippershain damals doch seine politische Eigenständigkeit und wurde in die Großgemeinde Schenklengsfeld eingemeindet.

In einem Gemeindegebiet durfte es jeden Straßennamen nur einmal geben – und der Hauptort hatte das Vorrecht. Die Konsequenz für Wippershain war, dass gängige Straßennamen – von der Rhönstraße über Sonnenblick bis zur Hintergasse – neuen Bezeichnungen hätte weichen müssen. Zudem wäre es um ihren Ortsnamen schlecht bestellt gewesen. Denn die Bezeichnung „Schenklengsfeld-Wippershain“ war damals für die meisten Adressfelder in Formularen oder Postvordrucken zu lang. Wippershain, damals ein Ferienort mit über 50 Betten in Privatpensionen und mit durchaus zahlreichen Gästen, befürchtete, dass der Ortsname völlig aus dem Bewusstsein verschwinden würde. So gab man den Straßen nur noch kurze Nummern und setzte mit Sondergenehmigung des Regierungspräsidenten Anschriften nach folgendem Muster: Wippershain 3. Straße Nr.9, Schenklengsfeld.

Wie ein Zifferblatt

Ortsvorsteher Horst Wagner erklärt, dass Straßen von der Ortsmitte beim Dorfgemeinschaftshaus aus nummeriert worden sind. Vergleichbar mit der Mitte eines Uhren-Zifferblattes treffen hier an der Kreuzung die 3. Straße, die 6., die 9. und die 12. Straße im rechten Winkel aufeinander. Parallel zur 9. Straße verlaufen die 10., die 11. und die 13. Straße. Die kleineren, nach rechts abgehenden Querstraßen werden wiederum nach diesen Hauptrichtungen benannt und dabei zusätzlich eine Ziffer angehängt. Die erste Querstraße der 11. Straße ist demzufolge die 111. Straße, die zweite Querstraße ist die 112. und so weiter.

„Adressen fast wie in Manhattan“ lautete deshalb vor einigen Jahren eine Zeitungsschlagzeile. Gibt es solche ungewöhnliche Straßenbezeichnungen bisher doch nur in größeren Städten, wie Mannheim, in asiatischen Metropolen und in New York.

Von Brunhilde Miehe

Kommentare