In Friedewald endet eine 125-jährige Tradition – Zum Abschluss Ehrungen

Der Abschied vom Männerchor

Sängerveteranen: Als letzte Amtshandlung vor der Auflösung des Friedewalder Männerchores ehrten Bezirksvorsitzender Karl Wiegand (rechts) sowie Vereinsvorsitzender Klaus Berger (links) Willi Klüber, Gerhard Wetterau, Willi Deiß und Adolf Tobisch (von links) für langjähriges Singen im Chor. Dirigentin Irina Winter gratulierte ebenfalls dazu. Foto: Hartmann

Friedewald. Mal getragen im musikalischen Ausdruck, mal aufmunternd frisch erklingen die Lieder des Friedewalder Männerchores aus dem Gesellschaftszimmer des „Hotels am Dreienberg“, seines Vereinslokals. Mit akzentuierten Armbewegungen führt Dirigentin Irina Winter „ihre Jungs“ durch die Noten der Partitur. Es ist kurz vor Weihnachten und der letzte gemeinsame Auftritt der 14 noch verbliebenen Sänger.

Zum Jahresende löst sich der Männerchor aus dem Dreienbergdorf auf. „Damit geht eine 125-jährige Tradition des Männerchorgesangs in Friedewald zu Ende“, sagt Vorsitzender Klaus Berger mit Wehmut in der Stimme.

Zur Kaiserzeit gegründet

Noch zur Kaiserzeit im Jahr 1890 gegründet, hatte der Verein alle politischen Wirren sowie Kriege der Folgezeit gut überstanden und bekam hundert Jahre später unter Leitung des Dirigentenurgesteins Willi Krah sogar das Prädikat eines Meisterchores im Mitteldeutschen Sängerbund (MSB) verliehen. Wenig später aber begann auch in Friedewald wie schon anderswo die allmähliche Erosion des Männergesangvereins. Das Werben um jüngeren Nachwuchs scheiterte ebenso wie zuletzt das Zusammengehen mit dem inzwischen im gemeinsamen Gesangverein etablierten Frauenchor. „Schließlich waren wir als Männerchor für öffentliche Auftritte nicht mehr singfähig“, begründet Klaus Berger mit Bedauern den Entschluss zur Auflösung.

Als letzte Amtshandlung wurden noch Willi Klüber für 70 Jahre und Adolf Tobisch für 60 Jahre Singen im Chor mit Urkunden des Deutschen Chorverbandes (DCV) geehrt. Gleiche Ehrengaben des MSB überreichte Karl Wiegand, Vorsitzender des Werratal-Sängerbezirks, an Willi Deiß und Gerhard Wetterau für 40-jähriges Chorsingen. Zur Erinnerung stellte sich die auf Ensemblegröße geschrumpfte Sängerschar noch einmal zum gemeinsamen Foto mit Dirigentin Irina Winter auf. Wohl eher zufällig hing darüber an der Wand ein Bild aus einstmals glorreicheren Zeiten, das an die 50 Sänger auf der Bühne des Festsaales zeigt.

Die 125-jährige Tradition des Chorgesangs in Friedewald wird nun vom Frauenchor fortgeführt.

Von Hans-H. Hartmann

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