Patricia Taits Großmutter schwärmte von Kanada – ihre Enkelin lebt nun dort

Zwischen Piste und Strand

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Glückliche Familie: Patricia Tait, die aus Weiterode stammt, mit ihrem Mann Steven und den Kindern Stella (inzwischen drei Monate) und Noah (zwei Jahre).

Das Interesse an Kanada“, sagt Patricia Tait, „das hat meine Großmutter in mir geweckt. Über Jahre hat sie Kontakt zu einer alten Schulfreundin gehalten, die in den 50er-Jahren mit ihrem Mann dorthin auswanderte. Von Vancouver hat sie immer in den höchsten Tönen geschwärmt.“

Patricia Taits Großmutter starb 2009, ohne Kanada je kennengelernt zu haben. Doch sie durfte erleben, dass ihre Enkelin 2004 in eben jener Stadt Vancouver ihr berufliches Glück suchte - und fand. Mehr noch: Die in Weiterode aufgewachsene junge Frau lebt inzwischen dort, ist verheiratet, hat zwei Kinder.

Rückblende. Patricia Mey, so hieß die junge Frau aus Weiterode, war von fernen Ländern fasziniert, wie sie sagt. Nach dem Abitur arbeitete sie ein Jahr als Au-Pair in New York, dann studierte sie in Leipzig und machte eine Ausbildung im Hotelfach. Ein Job in der Tourismusbranche - das war ihr Traum. Doch viel gab der Arbeitsmarkt in Deutschland nicht her, erinnert sie sich. „Ich habe mich schnell mit dem Gedanken angefreundet, mein Glück im englischsprachigen Ausland zu versuchen.“ Vancouver sollte es werden.

Berge, Wälder, Strand

Der Rest klingt wie ein Traum. Patricia Mey fand eine Wohnung, einen Job, und sie genoss die Stadt: „Morgens Skifahren in den Bergen, nachmittags ein Spaziergang am Strand - das ist das Leben in Vancouver“, schwärmt sie. „Berge, Wälder, Strand - alles, was das Herz begehrt.“

Alles? Patricia sollte noch mehr in Vancouver finden: „Schon bald habe ich dann meinen Mann Steven kennengelernt“, erzählt sie. Und der Gedanke, dauerhaft in Kanada zu leben, reifte.

Weihnachten und Silvester 2005/2006 verbrachte das junge Paar in Deutschland. „Silvester um Mitternacht hat mir Steven einen Heiratsantrag gemacht“, erzählt sie. Geheiratet wurde allerdings erst im Mai 2008 im Kloster Cornberg. Ein Drittel der Hochzeitsgesellschaft hatte die weite Reise aus Kanada auf sich genommen, erinnert sich Patricia Tait, wie sie nun mit Nachnamen hieß.

Längst hatte sie auch beruflich fest Fuß gefasst und den Status eines „Canadian Permanent Resident“, der ihr unbegrenztes Aufenthaltsrecht garantierte.

Rückkehr irgendwann?

Inzwischen sind die Taits zu viert. Mit Sohn Noah, der vor zwei Jahren geboren wurde, und Töchterchen Stella, seit drei Monaten auf der Welt, leben Patricia und Steven im Eigenheim in Vancouver. Wenn die Kinder größer sind, denken die Taits daran, vielleicht einmal für ein paar Jahre in Deutschland zu leben. Vorerst aber sagt Patricia Tait: „Vancouver ist mein Zuhause.“

Leben ist den Menschen hier wichtiger als arbeiten“ - so beschreibt Patricia Tait die Mentalität der Menschen in Vancouver. Zu dieser Lockerheit passen Sturheit und Engstirnigkeit nicht, wie sie Deutschen oft nachgesagt werden, findet sie.

Andere deutsche Eigenschaften dagegen will sie auch nach acht Jahren in Kanada um keinen Preis ablegen: „Mein typisch deutscher Drang zur Ordnung, mein deutsches Organisationstalent und meine positive Einstellung zur Arbeit wurden mir hier bisher überall hoch angerechnet“, weiß sie. Diese Eigenschaften hofft sie, an ihre Kinder weitergeben zu können.

Ohnehin bleibt die Verbundenheit zu Deutschland. „Es ist nicht immer einfach, so weit von alten Freunden und meiner Familie entfernt zu sein“, sagt sie. Besonders schwer sei es, an Geburtstagen, Feiertagen und Familienfesten nicht dabei sein zu können. Allerdings haben Patricia Taits Eltern die Familie ihrer Tochter auch schon in Kanada besucht. „Sie sind noch recht reiselustig“, sagt die Weiteröderin, die selbst regelmäßig nach Deutschland reist, um die Verbindung zu halten.

Ohnehin überlegen die Taits, in ein paar Jahren, wenn Patricia nach der Zeit des Mutterschutzes wieder in ihren Beruf zurückgekehrt ist, für ein paar Jahre nach Deutschland zu ziehen. Patricia arbeitet inzwischen im Eventmanagement, ihr Mann Steven in der Computerbranche. Die Kinder, die zweisprachig aufwachsen, sollen erst Kindergarten und Vorschule in Kanada besuchen, bevor die Pläne konkret werden.

Ein kleines Stück Deutschland gibt es jedoch auch in Vancouver: Weil die Taits beileibe nicht die einzigen Deutschen in der Stadt sind, gibt es einen deutschen Klub und ein Restaurant, das „Deutsches Haus“ heißt. Auf der Speisekarte: Schnitzel und Rouladen wie aus Mutters Küche.

Von Rainer Henkel

Quelle: HNA

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