Rotenburger proben für Musik-Projekt mit Flüchtlingen

Gelebte Integration: Die Mädchen der Rotenburger Jugendkantorei singen zusammen mit jungen Frauen und Kindern, die aus ihren Herkunftsländern flüchten mussten. Foto: Vera Walger

Rotenburg. Lieder aus aller Welt werden beim Musik-Projekt „Die Gedanken sind frei“ zu hören sein. Mit dabei die Jugendkantorei Rotenburg, die Band „L’art de passage“ und junge Flüchtlinge.

„Und wir fangen an zu singen!“ Eva Gerlach hebt die Arme. Ihre Augen leuchten, als sie in die Runde blickt. Blonde Mädchen in Hotpants und Flipflops sitzen neben jungen Frauen mit Kopftuch. Eben noch wurde munter geredet, jetzt herrscht Konzentration. „Trommle, mein Herz, für das Leben“ - Gesang erfüllt den Raum im Dietrich-Bonhoeffer-Haus.

Geprobt wird hier gerade für ein außergewöhnliches musikalischen Integrationsprojekt mit dem Titel „Die Gedanken sind frei“. Eva Gerlachs Jugendkantorei singt zusammen mit Flüchtlingen - jungen Frauen, Jugendlichen und Kindern - aus Äthiopien, Eritrea, dem Iran, Syrien und Afghanistan.

Mehrere Stationen

Rotenburg ist aber nur eine von mehreren Stationen, an denen in diesen Wochen gearbeitet wird. In der Erstaufnahmeeinrichtung Niederzwehren studiert Eva Gerlach die Lieder mit Kindern ein, die dort leben.

Im Beiserhaus Rengshausen probt der Percussionist Olaf Pyras mit geflüchteten männlichen Jugendlichen. Pyras ist für das Projekt auch Teil des Weltmusik-Ensembles „L’art de passage“ unter der Leitung von Stefan Kling. Im Juli sollen die verschiedenen Stränge zusammengeführt werden. Gemeinsam werden dann alle auf der Bühne stehen, bei einer Reihe von Konzerten, die der Kultursommers Nordhessen als Sonderprojekt veranstaltet.

Was sie darbieten, ist Weltmusik: Volkslieder und Folklore aus verschiedenen Ländern, in verschiedenen Sprachen - mit den rhythmischen Akzenten der Percussionisten und der professionellen Unterstützung der Instrumentalisten (die Arrangements stammen von Stefan Kling).

Die Idee zu dem Projekt hatte Maren Matthes, die Intendantin des Kultursommers. Um Eva Gerlach und Stefan Kling ins Boot zu holen, musste sie nicht viel Überzeugungsarbeit leisten. Die Vorstellung, Kulturen mit Musik zusammenzuführen, begeisterte die beiden.

Für die geflüchteten Frauen ist der Chorgesang eine ganz neue Erfahrung, manche von ihnen haben nie zuvor gesungen. Marwa ist 28 Jahre alt, sie kommt aus Syrien und wohnt jetzt in Rotenburg. Ob ihr das Singen Spaß macht? „Oh ja“, antwortet Marwa.

Sie findet es wunderbar, so viele verschiedene Frauen kennenzulernen. „Und das Konzert wird sehr schön“, kündigt sie strahlend an.

Ein Interview mit Eva Gerlach und weitere Artikel zum Thema lesen Sie in der gedruckten Mittwochausgabe der HNA Rotenburg-Bebraer Allgemeinen.

Quelle: HNA

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