72 junge Rechtspfleger nahmen Diplomurkunden entgegen

Die zweite Säule der dritten Gewalt

Eberhard Laux

Rotenburg. Kann es etwas Schöneres geben als als Rechtspfleger bei Gericht oder bei einer Staatsanwaltschaft tätig zu sein? Wohl kaum, wenn man den Festrednern bei der Diplomierungsfeier der 72 frischgebackenen Diplom-Rechtspfleger der Länder Hessen und Thüringen Glauben schenken darf.

Allesamt sangen sie am Freitagnachmittag im größten Hörsaal der Hessischen Hochschule für Finanzen und Rechtspflege (HHFR) in Rotenburg das Hohelied auf die vielfältig einsetzbaren Beamten des gehobenen Justizdienstes.

Einsatz für Rechtsstaat

Ihre originären Zuständigkeiten sind in den zurückliegenden Jahren immer umfangreicher geworden. „Damit tragen sie wie selbstverständlich dazu bei, dass der Rechtsstaat Deutschland funktioniert“, rief Justizstaatssekretär Thomas Metz den dual ausgebildeten Fachhochschulabsolventen zu. Sie sind in ihrer jeweiligen Funktion eigenverantwortlich und sachlich unabhängig „als zentrales Organ der Rechtspflege und damit als zweite Säule der dritten Gewalt“ tätig.

Abschied von Papierakten

Metz kündigte eine Überarbeitung der seit 1980 für Rechtspflegeranwärter geltenden Ausbildungs- und Prüfungsordnung (APO) an, da Praxis und Ausbildung den APO-Normen enteilt seien. Die HHFR werde allerdings auch in Zukunft „unverzichtbar“ sein, unterstrich Metz. Ihre Bedeutung werde sogar noch wachsen, gelte es doch, den immer wichtiger und umfangreicher werdenden Bereich der Fortbildung abzudecken – nicht zuletzt deshalb, weil spätestens 2022 fast alle Geschäftsprozesse elektronisch abgewickelt werden sollen.

HHFR-Rektor Lothar Seitz sprach vom „Grundstein für eine erfolgreiche berufliche Zukunft“ und bat schon fast um Entschuldigung dafür, dass das Land Hessen fünf Millionen Euro in die Hand genommen und während der Studienzeit der Absolventen damit begonnen habe, die in die Jahre gekommene Küche zu modernisieren.

Für das Land Thüringen dankte der Präsident des Justizprüfungsamts, Uwe Homberger, für die langjährige, freundschaftliche Zusammenarbeit mit der Rotenburger Ausbildungseinrichtung: „Unsere Investition wirft eine hohe Rendite ab!“

„Arbeitsbelastung hoch“

Lothar Dippel, Vorstandsmitglied des Landesverbands Hessen der Rechtspfleger und Hauptpersonalratsvorsitzender, schlug kritischere Töne an. Er verwies auf die schon jetzt hohe Arbeitsbelastung der Kollegen – bis zu 146 Prozent – und den vom Finanzminister zurückgewiesenen Wunsch nach Personalverstärkung. Auf Aufruf der Dozenten – unter ihnen letztmals Fachbereichsleiter Eberhard Laux, dessen standortprägende Arbeit insbesondere von Staatssekretär Metz gewürdigt wurde – nahmen dann alle Nachwuchsbeamten ihre Diplomurkunden entgegen.

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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