Unsicher sind viele Menschen, wenn es sich um medizinische Notfälle handelt

Im Zweifel die 112 wählen

Dieter Pfaff

Hersfeld-Rotenburg. Bei ernsthaften Erkrankungen oder Notfällen abends oder an den Wochenenden sind viele Menschen unsicher, wie sie Hilfe bekommen können. In der Aufregung wissen viele gar nicht mehr, wohin sie sich am besten wenden.

Wir fragten bei Dieter Pfaff nach. Er ist beim Kreis zuständig für den Rettungsdienst und die Zentrale Leitstelle.

Es gibt den Rettungsdienst, den Notarzt und den Ärztlichen Bereitschaftsdienst. Wer ist wofür zuständig?

Dieter Pfaff: Der Rettungsdienst und die notärztliche Versorgung sind im Hessischen Rettungsdienst geregelt. Eingesetzt werden sie durch die Zentrale Leitstelle mit Sitz im Landratsamt in Bad Hersfeld. Sie ist über die Notrufnummer 112 zu erreichen. Die Zuständigkeit liegt beim Landkreis Hersfeld-Rotenburg, der Träger des Rettungsdienstes ist und diesen organisiert. Der Ärztliche Bereitschaftsdienst wird über die Kassenärztliche Vereinigung geregelt. Ihm gehören niedergelassene Ärzte an.

Wenn ich mir unsicher bin, ob der Rettungswagen erforderlich ist oder ich auf den Hausarzt warten kann, was sollte ich dann tun?

Dieter Pfaff: Hier empfiehlt es sich, sicherheitshalber über die Notrufnummer 112 der Zentralen Leitstelle nachzufragen, welche Art von Hilfe erforderlich ist. Die Einsatzbearbeiter der Leitstelle verfügen alle über eine hochwertige rettungsdienstliche Ausbildung und sind in der Lage, zu entscheiden, wie schnell die Hilfeleistung erfolgen muss.

In welchen Fällen sollte man auf jeden Fall den Rettungsdienst rufen?

Dieter Pfaff: Den Rettungsdienst sollte man immer dann anfordern, wenn es sich um lebensbedrohliche Erkrankungen oder Verletzungen handelt. Durch das Hessische Rettungsdienstgesetz ist sichergestellt, dass die Einsatzfahrzeuge, die sich in solchen Fällen mit Sondersignal auf die Einsatzfahrt begeben, in kürzester Zeit an der jeweiligen Einsatzstelle sind. Die Hilfsfrist bei Notfällen in Hessen liegt bei zehn Minuten.

Wenn ich im Notfall in eine bestimmte Klinik gefahren werden möchte, die sich in einer Nachbarstadt befindet, wird meinem Wunsch dann nachgekommen?

Dieter Pfaff: Der Wunsch der Verletzten und Erkrankten ist grundsätzlich immer zu berücksichtigen. Wenn diese selbst aus gesundheitlichen Gründen keinen Wunsch äußern können, ist der Bitte der Angehörigen zu folgen. In bestimmten Fällen kann sich allerdings der Notarzt oder auch der Rettungsdienst über den jeweiligen Wunsch hinwegsetzen, wenn es notfallmedizinisch angezeigt ist, in eine bestimmte Klinik zu fahren.

Wenn mein Partner mich im Notfall selbst schnell ins Krankenhaus fahren könnte, wäre das nicht besser?

Dieter Pfaff: Das Rettungsdienst- und Notarztpersonal ist für Notfälle speziell ausgebildet.

Die Verletzten und Erkrankten werden in Rettungswagen transportiert. Sollte es auf der Anfahrt in eine Klinik zu medizinischen Problemen kommen, kann das Personal aufgrund des optimal ausgestatteten Rettungswagens sofort reagieren und helfen. Von daher ist der Transport in einem Rettungsmittel grundsätzlich immer dem Transport in einem Privatwagen vorzuziehen.

Wenn ich beispielsweise plötzlich Schmerzen im Brustkorb habe, der Rettungsdienst kommt, und es stellt sich heraus, dass es doch nur ein kleines Problem mit der Wirbelsäule ist, muss ich dann für die Kosten des Einsatzes aufkommen?

Dieter Pfaff: Wenn nach Beurteilung des Rettungsdienstpersonals oder des Notarztes in einem solchen Fall kein Transport in eine Klinik erforderlich ist, spricht man von einem so genannten Fehleinsatz.

Der oder die Betroffene muss in solchen Fällen nicht für die Kosten aufkommen.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Quelle: HNA

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