Zwei Knastfreunde stehen nach Einbruchsserie vor Gericht

Hersfeld-Rotenburg / Eisenach. Immense Beute, immense Schäden - die Anklage listet 15 Einbrüche und Diebstähle binnen weniger Wochen auf. Deswegen ist vor dem Schöffengericht Eisenach der Prozess gegen zwei Männer aus Philippsthal und Vacha eröffnet worden.

Sie sollen sich im Gefängnis kennengelernt haben und Freunde geworden sein. Der eine wurde 2011 entlassen, der andere dieses Frühjahr. Im April und Mai seien sie auf Beutezüge gegangen, die in der Region wohl ohne Beispiel sind. 15 Einbruchsdiebstähle in Thüringen und Hessen wirft die Staatsanwaltschaft mal einem, mal beiden Männern vor.

Auf der Anklagebank sitzen, in Fesseln und sichtbar zornig, zwei Männer, beide Handwerker, beide Väter - ein 30-Jähriger aus Vacha und ein 37-Jähriger aus Philippsthal. Nach Ansicht der Staatsanwältin haben sie sich nicht wirklich bemüht, Arbeit zu finden. Weil ihnen aber die Sozialleistungen nicht genug gewesen seien, hätten sie beschlossen, ihre Finanzen durch Diebstähle aufzubessern.

Sechs Wochen lang hätten die Angeklagten - um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, Schulden zu tilgen und Drogen zu kaufen - auf mal geplanten, mal spontanen Beutezügen Geld oder teure, gut verkäufliche Dinge gestohlen. Unterwegs waren sie dabei in mehreren gestohlenen Autos, die anschließend angezündet oder einfach stehen gelassen wurden.

In Hessen listet die Anklage den Aufbruch eines Vereinsheims in Mansbach, den Einbruch in ein Sportzentrum in Friedewald und in den Bauhof in Heringen auf. Im Kieswerk in Wabern im Schwalm-Eder-Kreis soll ein Auto entwendet worden sein.

Nach zwei Einbrüchen in ein Dienstleistungsgebäude in Hauneck-Eitra fehlten dort Sparbücher, Lebensmittel, Laptops, Werkzeuge, Goldmünzen und eine Glückskatze. Ein Auto im Wert von 35.000 Euro samt Papieren sollen sich die beiden Angeklagten in einer Autovermietung in Bad Hersfeld „besorgt“ haben.

In Thüringen, so die Anklage, wurden beim Einbruch in die Poststelle in Vacha die Zweitschlüssel der Postfahrzeuge gestohlen - und eines davon gleich mitgenommen. Nach dem Einbruch in den Bauhof in Behringen fehlten teure Werkzeuge und ein Fahrzeug - allein der Schaden dort sei fünfstellig. Die Agrargenossenschaft und eine Schule in Berka/Werra wurden bestohlen, ein Auto im Ort von der Straße geklaut. Der Einbruch in eine Firma in Gerstungen wurde wohl gestört - die Beute fand sich am Rolltor.

Der vermutliche Versuch, ein weiteres Fahrzeug zu stehlen, beendete dann wohl auch die Serie - in einem Autohaus in Immelborn im Wartburgkreis wurde der 30-jährige Angeklagte von einem Zeugen überrascht und gestellt.

Einem zweiten Mann gelang die Flucht. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich um den 37-Jährigen handelt. Er wurde verhaftet, nachdem seine Fingerabdrücke und DNA-Spuren auf Beutestücken im Haus seines Freundes gefunden wurden.

Das sagen die Angeklagten

"Wegen nichts“ sei er verhaftet worden, erklärt der 37-Jährige. Er habe zehn Jahre im Gefängnis verbracht und sich seit seiner Entlassung nichts mehr zuschulden kommen lassen. Seine Drogentests seien negativ - „ich muss keine Straftaten begehen, um Drogen zu kaufen“.

Die Spuren auf dem Diebesgut erklärt der Mann mit den Besuchen bei seinem Freund. Mit den Beutezügen habe er nichts zu tun.

Gar nichts? Der 30-Jährige nickt. Und nimmt - wohl anders als im Ermittlungsverfahren - die ganze Schuld auf sich. „Wir sind viel umhergefahren“, sagt er. Die Straftaten aber gingen allein auf sein Konto, möglicherweise habe der 37-Jährige während der Einbrüche „manchmal“ im Auto gesessen.

„Wir nehmen das zur Kenntnis“, sagt der Richter. Den Antrag, seinen Haftbefehl aufzuheben, lehnt er zum sichtbaren Entsetzen des 37-Jährigen ab. Der Prozess vor dem Schöffengericht Eisenach wird fortgesetzt. (mtw)

Quelle: HNA

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