Zukunftsausschuss denkt „ohne Tabus“

Erhebliche Einsparungen: Pfarrer Kallies informiert Kreissynode 

Keine bleibende Stadt: Was auf die Kirchengemeinden und die Jahr für Jahr abnehmende Zahl ihrer „Schäfchen“ zukommt, war Thema eines Berichts von Pfarrer Wolfgang Kallies. Foto: Apel

Bebra. Auch wenn sich die kirchlichen Finanzen im vergangenen Jahr stabilisiert haben, müssen mittel- und langfristig erhebliche Einsparungen vorgenommen werden.

Das schrieb der Geschäftsführer des von der Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) 2011 eingesetzten Zukunftsausschusses, Pfarrer Wolfgang Kallies, den Synodalen des Kirchenkreises Rotenburg am Freitagabend in seinem Bericht ins Stammbuch.

Nach derzeitigem Stand der Dinge könnten sich die Rahmenbedingungen so entwickeln, dass bis 2026 die Anzahl der Pfarrstellen um mindestens 25 Prozent reduziert werden muss. Aber nicht nur das: In der Verwaltung könnte sich das Einsparvolumen auf rund 30 Prozent belaufen, und auch bei der Vorhaltung von kirchlichen Gebäuden könnte das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht sein. Der Ausschuss gehe deshalb davon aus, so Kallies, dass sich die Anzahl der Gemeindehäuser und der Gemeinderäume „am realen Bedarf“ orientieren müsse. Darüber hinaus zeichne sich ab, dass vorgeschlagen werde, die Pfarrer von der Pflicht zu befreien, im Pfarrhaus zu wohnen. Das eröffne den Pfarreien die Möglichkeit, „frei“ über ihre Pfarrhäuser zu verfügen.

Kosten-Nutzen-Verhältnis

Obwohl gespart werden müsse, sollen die Kirchen auf jeden Fall „ihre exponierte Stellung als Blickpunkte und Zeugnisse der Verkündigung in den Dörfern und Städten“ behalten, unterstrich Kallies. In Zukunft soll jedoch noch kritischer geprüft werden, wie sehr die Gebäude genutzt werden und ob das Kosten-Nutzen-Verhältnis vertretbar ist. Deshalb heißt es in dem vom Zukunftsausschuss nach elf Sitzungen vorgelegten Zwischenpapier: „Die Aufgabe von Kirchengebäuden darf kein Tabu bleiben.“

Ziel aller Überlegungen des Zukunftsausschusses sei es, dass Kirche vor Ort präsent bleiben könne und dass Pfarrer „vor allem wieder mehr geistliche Leiter“ sein können. Um das zu erreichen, sei es unumgänglich, „Nachrangigkeiten und Sparmöglichkeiten auf allen Ebenen der kirchlichen Arbeitsfelder und Organisationen“ zu benennen. „Wir haben deshalb ganz frei und ohne Tabus und ohne irgendwelche Einflussnahme darüber nachgedacht, wie wir zuversichtlich kleiner werden können“, betonte der in Niedergude wohnende Geistliche.

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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