68-Jähriger wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu acht Monaten verurteilt

Zungenküsse vom „tollen Opa“

Bad Hersfeld. Für die zwölfjährige Monika (Name geändert) war der Großvater ihrer besten Freundin ein „toller Opa“. Immer lustig, immer verständnisvoll. Am 29. März vergangenen Jahres sollte sich das jedoch ändern: Das Mädchen lag auf dem Sofa im Wohnzimmer der Freundin vor dem Fernseher, als sich der 68-Jährige unvermittelt über Monika beugte, sie an den Armen festhielt und auf den Mund küsste. Mehrfach versucht er zudem, seine Zunge in den Mund des sich wehrenden Kindes zu drücken.

Was in diesem Moment über ihn gekommen war, das kann sich der einfach gestrickte Mann bis heute nicht erklären. Und so stritt er die Vorwürfe des Mädchens bis zum Prozess in dieser Woche vor dem Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld rundweg ab.

„Nicht die Tat war das Schlimmste, sondern das, was daraus entstanden ist“, sagte denn auch Richterin Michaela Kilian-Bock. Die Zwölfjährige, die in einem Dorf im südlichen Kreisgebiet zu Hause ist, musste sich fortan als Lügnerin beschimpfen lassen, weil dem lieben Opa niemand einen solchen Übergriff zutraute. Aus Verzweiflung wechselte das Mädchen die Schule. Die Freundschaft zur Enkelin des Täters zerbrach.

Vieles davon wurde jedoch im Prozess wieder gerade gerückt. Mit Unterstützung seines Verteidigers Jochen Kreissl rang sich der Angeklagte schließlich doch zu einem Geständnis durch und ersparte der Zeugin dadurch eine Aussage. Der bislang unbescholtene Mann, dem die Sache sichtlich peinlich war, bekannte sich zu seinem Fehler und bat um Entschuldigung. Sein Anwalt kündigte zudem ein erklärendes Schreiben an die Enkelin an, um den Ruf der einstmals besten Freundin wieder herzustellen.

In ihrem Plädoyer machte Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken deutlich, dass ein Zungenkuss bei Kindern eine sexuelle Handlung und damit auch strafrechtlich von Bedeutung sei. Gleichwohl erkannte sie auf einen minderschweren Fall. Diese Ansicht teilten auch Nebenklage-Vertreter Gunter Müller und Verteidiger Kreissl.

Wegen sexueller Nötigung in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch von Kindern wurde der 68-Jährige zu acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Als spürbaren Teil der Strafe muss er 800 Euro Schmerzensgeld an sein Opfer bezahlen.

Weil dem Prozess ein Rechtsgespräch mit einer Vereinbarung vorausgegangen war, konnte noch kein Rechtsmittelverzicht erklärt werden.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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