Zukunft der Alheimer-Kaserne: Rotenburg plant zweigleisig

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Soll im kommenden Sommer fertig werden: Das neue Wirtschaftsgebäude der Alheimer-Kaserne wird in abgespeckter Form fertiggebaut.

Rotenburg. Es ist eine überraschende Kehrtwende, die Bürgermeister Christian Grunwald (CDU) vollführt hat. Vor wenigen Wochen forderte er die Rotenburger auf, das Schicksal der Alheimer-Kaserne zu akzeptieren. Jetzt schlägt er neue Töne an: Er habe die Bundeswehr „nicht mehr gänzlich abgeschrieben“.

Hintergrund sind die enormen Investitionen, die an anderen, maroden Kasernen notwendig werden, um sie für die Zukunft zu rüsten. An der Burgwaldkaserne in Frankenberg gibt es einen erheblichen Sanierungsstau. In der Alheimer-Kaserne hingegen ist bereits viel geschehen, obgleich auch dort noch weitere große Investitionen notwendig sind.

„Wenn man sich mal die mittlerweile auch öffentlich bekannte marode Bausubstanz verschiedener Kasernen in Nordhessen anschaut, wird aus meiner Sicht der Verteidigungsminister nicht umhinkommen, eine Neubewertung der Situation vorzunehmen“, sagt Grunwald. Für die Stadt sei eine Weiternutzung der Kaserne durch die Bundeswehr inzwischen eine Option: „Wir handeln zweigleisig.“

Die Alheimer Kaserne im Regiowiki

Das zweite Gleis sei die Suche nach einer neuen, zivilen Nutzung der Kaserne. Dabei sei auch eine Auslagerung von Universitäts-Fachbereichen nach Rotenburg im Gespräch, ebenso die Unterbringung anderer schulischer Einrichtungen. Insbesondere der Bereich der erneuerbaren Energien als Forschungs- und Studienschwerpunkt stehe im Mittelpunkt der Überlegungen, sagt Grunwald. Eine Studie wird bis Jahresende in Auftrag gegeben, um künftige Nutzungsmöglichkeiten auszuloten. Sie soll Anfang 2014 vorliegen.

„Wir haben in den vergangenen Monaten viele positive Gespräche geführt“, sagt der Bürgermeister. Mehr will er derzeit nicht sagen. Er fürchtet, dass andere Kommunen Ideen aufgreifen und schneller umsetzen, weil die Alheimer-Kaserne erst 2016 frei wird: „Wir haben schnell gemerkt, dass wir uns in einem Wettbewerb um innovative Nutzungskonzepte mit Bundeswehrstandorten im ganzen Land befinden.“

Gespräche würden mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben geführt, die im Januar Eigentümerin der Kaserne wird, sowie weiteren Behörden. Grunwald gibt sich zuversichtlich: „Wir befinden uns auf einem guten Weg für die Nachnutzung der Kaserne.“

Hintergrund: Kantine wird im Juli 2013 fertig

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sind in den vergangenen fünf Jahren 27 Millionen Euro in Ausbau und Modernisierung der Alheimer-Kaserne geflossen. Ursprünglich sollte die doppelte Summe investiert werden. Doch nachdem vor einem Jahr die Entscheidung gefallen war, die Kaserne zu schließen, werden nun nur noch jene Arbeiten abgeschlossen, die notwendig und sinnvoll seien, hieß es vonseiten des zuständigen Bundeswehr-Dienstleistungszentrums in Homberg.

Etwa die Hälfte der Kompaniegebäude ist bereits saniert, ebenso die Turnhalle. Als nächstes wird die Wache fertig. Die abgespeckte Sanierung soll im kommenden Juli mit der Eröffnung des Wirtschaftsgebäudes abgeschlossen werden. Es beherbergt die Küche und die Kantine für die in der Kaserne verbliebenen Soldaten.

Das alte Wirtschaftsgebäude nebenan wird allerdings nicht abgerissen. Und die bislang nicht sanierten Kompaniegebäude bleiben in ihrem Zustand. Beides sei nicht nötig, um den Betrieb der Kaserne bis zum Abschied der Bundeswehr in drei Jahren aufrecht zu erhalten.

Von Marcus Janz

Quelle: HNA

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