Gemeindemitglieder fanden historische Münzen und Dokumente im Kirchturm

Zeitreise mit Kupferkapsel

Schicken die Kupferkapsel samt Inhalt auf Zeitreise: Pfarrerin Gundula Eckert, Architekt Hans-Karl Pippert, Kirchenvorstand Martin Reise, Bürgermeister Achim Großkurth und die Handwerker Christian Neupert und Kevin Dinger von der Firma Bennert. Fotos: Hörcher

Rockensüß. Ein bisschen wie Schatzsucher kamen sich die Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde Rockensüß vor, als sie die Hohlkugel vom dortigen Kirchturm holten und öffneten. In dieser Kugel fanden sie einen zylinderförmigen Behälter, in dem historische Gegenstände untergebracht waren.

Eine völlig durchnässte Schriftrolle und zunächst undefinierbare, rostige Klumpen kamen dabei zum Vorschein. Vorsichtig nahmen sie alles auseinander, säuberten und analysierten es. Dann wurde der Fund allmählich sichtbar: Es handelte sich um insgesamt 15 Münzen aus Kupfer und Silber – davon die älteste aus dem Jahr 1794 – alte Geldscheine, nicht mehr lesbare Dokumente – vermutlich Urkunden – und eine Ausgabe der Tageszeitung „Hessische Nachrichten“ vom 16. Mai 1950. An diesem Tag sei der Zylinder, laut Kirchenchronik, zuletzt befüllt worden, sagt Martin Reise aus dem Kirchenvorstand. Denn das Befüllen solcher Zeitkapseln ist eine jahrhundertealte Tradition (siehe Hintergrund). Immer, wenn die Renovierung eines Kirchturms ansteht, öffnen die Gemeindemitglieder diesen Behälter.

Diese Tradition setzen die Gemeindemitglieder nun fort: Nachdem sie die Schätze genau untersucht und die Münzen für die Gemeindezeitschrift abfotografiert hatten, füllten sie die Gegenstände in einen neue Kupferzylinder. Denn Wind und Wetter hatten dem alten Behältnis sichtlich zugesetzt – und der Inhalt soll schließlich die nächsten Jahrzehnte gut überstehen.

Die Rockensüßer fügten noch einige Gegenstände hinzu: Bürgermeister Achim Großkarth gab eine kurze Beschreibung der Gemeinde ab, Gerhard Alwin Hollstein stiftete ein Euro-Münzen-Set, und auch eine aktuelle Ausgabe der HNA durfte nicht fehlen.

Das alles wurde im Kupferzylinder verstaut, dieser wurde gut verschweißt und in der Kugel verschlossen. Zwei Handwerker der Firma Bennert beförderten die Kugel bei kaltem Herbstwind mit einem Flaschenzug den Turm hinauf und brachten diese gemeinsam mit der Wetterfahne auf dem Turm an.

Mit dem Anbringen der Kugel ist der Umbau des Turms, der Ende Juni begonnen hatte, nun abgeschlossen. „Wir möchten uns bei den Rockensüßern für ihr Verständnis während des Umbaus bedanken“, sagen die Handwerker der Firma Bennert. Von morgens früh bis abends spät waren sie dort am Werk gewesen. Durch den trockenen Sommer konnten die Arbeiten relativ zügig abgeschlossen werden.

Von Marc Hörcher

Quelle: HNA

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