Zeitreise: Historische Gebäude auf dem Bahnhof Bebra

Großes Interesse: Auf Zeitreise durch Bebras Stadt- und Industriegeschichte. Einblicke hinter sonst verschlossene Türen nutzten 60 Interessierte beim Treffen zum Bebraer Werkstattverfahren am Dienstag. Das kleine Bild zeigt Bauamtsleiter Manfred Klöpfel und Herbert Schmidt, den letzten Dienststellenleiter des vor 20 Jahren aufgelösten Bahnbetriebswerks, die alle Besonderheiten erläuterten. Fotos: Apel

Bebra. Karl Trispel wird unwillkürlich an seine Lehrzeit erinnert. Beim Gang durch den Lokschuppen 2 zeigt er auf ein ziemlich hoch angebrachtes, ramponiertes Fenster und erzählt, wie er vor 56 Jahren mitgeholfen hat, es einzubauen.

Dann fallen dem in Ehren ergrauten, aber immer noch sportlichen „Iesebähner“ die Heizlüfter ins Auge: „Die brauchte man, um Dieselloks auf Starttemperatur zu bringen.“ Und auch in der Ladestation, in der die Batterien aufgeladen wurden, überkommen ihn Erinnerungen.

Zeitreise. Zeitreise durch Bebras Stadt- und Industriegeschichte - so wie es Bauamtsleiter Manfred Klöpfel den etwa 60 Interessierten versprochen hat. Sie sind gekommen, um hinter sonst verschlossene Türen zu schauen und Bebras Eisenbahngeschichte - das Denkmal Bahnhof - zu entdecken. Und um mitzubedenken, ob und wie es möglich ist, aus dem Übriggebliebenen Zukunft zu gestalten. „Es geht darum, ob wir mit dem Umbau des Bahnhofs die letzten Relikte der Eisenbahngeschichte vernichten oder ob wir etwas aus ihnen machen wollen“, sagt Klöpfel.

Herbert Schmidt, der letzte Dienststellenleiter des vor 20 Jahren aufgelösten Bahnbetriebswerks, erläutert die Besonderheiten der Segmentdrehscheibe, über die nach dem Stand der Dinge der Zugang zu den Pendlerparkplätzen führt. Nach der Besichtigung des Lokschuppens 2 geht es am zum Teil schon abgetragenen, aber immer noch 30 Meter hohen Schornstein des Kesselhauses vorbei zum Werkstattbereich des Lokschuppens 1. Dort informiert Heinz Bode aus eigener Erfahrung darüber, wo und wie Dampfloks behandelt wurden und welche Arbeiten an den in Bebra stationierten E-Loks der Baureihen 140, 141 und 150 vorgenommen wurden. Zu Bebras besten Zeiten belief sich deren Zahl auf immerhin 110 - und genauso viele Lehrlinge wurden damals auch in der dort untergebrachten Lehrwerkstatt ausgebildet.

Nächste Attraktionen sind die noch in Betrieb befindliche, inzwischen vollautomatisch gesteuerte Vollkreisdrehscheibe mit Fahrdrahtüberspannung und das Kesselhaus, in dem bis 1995 Warmwasser, Wasserdampf und Druckluft erzeugt wurden.

Manches liegt da, als wäre es vergessen worden. Manches ist einfach dahingestellt worden. So wie die Platten und Teller, die irgendein Mitarbeiter der Bahnhofsgaststätte auf einer der zahlreichen Treppen des auf der „Bahnhofsinsel“ stehenden Empfangsgebäudes vorm Lichtausmachen abgestellt hat.

Das fast schon monumentale, 124 Meter lange Bauwerk weist eine Nutzfläche von über 2000 Quadratmetern auf, wie Manfred Klöpfel berichtet. Johannes Schäfer, vor Jahren Vertreter des Leiters der Dienststelle Bahnhof Bebra, verrät noch mehr Details. Beispielsweise, dass es Wartesäle erster bis vierter Klasse gab, im Restaurant den berühmten Sternensaal, und die von August Vaternahm etablierte zweitälteste Bahnhofsbuchhandlung Deutschlands.

Fotos der alten Bahnhofsgebäude

Besichtigung der alten Bahnhofsgebäude in Bebra

Lesen Sie mehr in der gedruckten Ausgabe unserer Zeitung.

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

Kommentare