Ethik-Komitee des Klinikums moderiert Diskussion bei Fragen von Moral und Humanität

Zeit zum Zuhören wichtig

Zeit für ein Lächeln, selbst zwischen den vielen High-Tech-Geräten auf der Intensivstation: Von links Sandra Lerch, Dr. Florian Noth, Elke Hennig, Dr. Michael Popp, Susanne Knochenhauer und Martina Eisenacher vom Ethik-Komitee des Klinikums. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Moderne Krankenhäuser gleichen immer öfter Medizin-Fabriken. Zwischen Fallpauschalen, Zielvorgaben und Pflegenotstand bleibt dem medizinischen Personal allzu oft wenig Zeit für ein Gespräch über die Sorgen und Nöte des einzelnen Patienten.

Um mit Experten und Betroffenen in ethisch problematischen Grenzsituationen zu einem tragbaren Konsens zu gelangen, gibt es auch am Klinikum Bad Hersfeld ein Ethik-Komitee, das mithilfe einer moderierten Fallbesprechung zu einer Entscheidungsfindung vermittelnd verhelfen kann.

Seit 2007 arbeitet so eine Berufsgruppen-übergreifende, ehrenamtliche Kommission bestehend aus Ärzten, Pflegepersonal, Sozialdienst und Seelsorge auch am Klinikum Bad Hersfeld. Vorsitzender der 15-köpfigen Gruppe ist der Anästhesist Dr. Florian Noth, seine Stellvertreterin die Klinikpfarrerin Elke Henning.

Mehr Selbstbewusstsein

„Unsere Patienten werden immer älter, die Krankheitsbilder immer komplexer, aber gleichzeitig haben wir immer mehr medizinische Möglichkeiten“, erklärt Dr. Noth. Daraus ergeben sich immer wieder Grenzsituationen. Zudem wollen die Patienten über ihre medizinische Behandlung und die Folgen möglichst selbst mitentscheiden. Denn auch der Wille zur Selbstbestimmung und das Selbstbewusstsein der Patienten sei größer geworden, ergänzt Elke Henning. Patienten, Angehörige aber auch das medizinische Personal können die Kommission anrufen. „Wir moderieren dann ein Gespräch, hören zu, aber wir geben keine Ratschläge“, macht Hennig deutlich.

Fachkrankenschwester Martina Eisenacher berichtet beispielsweise von einem älteren Mann, der zwar einerseits weiterleben, gleichzeitig aber keine Operation erdulden wollte. Auch die Angehörigen waren in dieser Situation verunsichert. „Wir haben dann zugehört, und es konnte eine für Alle zufriedenstellende Lösung gefunden werden“, schildert Eisenacher einen konkreten Fall des Komitees. „Unser Ziel ist es, gemeinsam die richtige Entscheidung zu treffen, die für alle tragbar ist“, sagt sie.

„Für mich ist die Mitarbeit im Ethik-Komitee auch eine Möglichkeit, meine eigenen beruflichen Ansprüche an meine Profession zu verwirklichen, was im Arbeitsalltag oft nicht mehr geht“, sagt Martina Eisenacher. „Aber wir laufen hier nicht mit dem erhobenen Zeigefinger herum“, macht Dr. Florian Noth deutlich, denn alle kennen aus eigener Erfahrung die Zwänge des Systems. Zudem lerne man bei der Arbeit über Berufsgruppen hinweg auch voneinander und erkenne, wie andere Professionen arbeiten.

Trotzdem werde das Ethik-Komitee noch viel zu selten von den Patienten und auch den Kollegen angerufen. „Der Bedarf ist zwar da, aber noch fehlt die nötige Bekanntheit“, erklärt Dr. Noth.

Von Kai A. Struthoff

Quelle: HNA

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