Zehn Anklagen, kurzer Prozess

Ein Jahr Freiheitsstrafe für 22-Jährigen aus Bebra wegen Diebstahlserie, Beleidigungen und Körperverletzung.

Bad Hersfeld. Sage und schreibe zehn Anklageschriften hatte Oberamtsanwalt Berthold Hartung gestern zu verlesen, als vor Strafrichter Elmar Schnelle im Bad Hersfelder Amtsgericht gegen einen 22-Jährigen aus Bebra verhandelt wurde: Acht vollendete Diebstähle, ein missglückter Versuch, zweimal Beleidigung sowie je einmal Bedrohung und Körperverletzung wurden dem vor drei Jahren aus Syrien eingewanderten jungen Mann zur Last gelegt.

Familiäre Probleme und Spielsucht

Was ein kompliziertes und zeitraubendes Verfahren mit zahlreichen Zeugen und mehreren Verhandlungstagen hätte werden können, das wurde jedoch kurz und (fast) schmerzlos zu einem guten Ende gebracht: Weil der Angeklagte durch seinen Verteidiger, den Fuldaer Rechtsanwalt Hans J. Hauschild, alle Vorwürfe unumwunden einräumen ließ, verkündete Richter Schnelle bereits nach knapp anderthalb Stunden das Urteil: Ein Jahr Freiheitsstrafe, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird, dazu 100 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Gut bedient

Damit war auch der gelernte Friseur gut bedient, der gestern nicht zum ersten Mal auf der Anklagebank saß. Denn in der Bundesrepublik hat er bis heute nicht richtig Fuß gefasst. Die Eingewöhnung im fremden Land war ihm von Anfang an schwer gefallen. Familiäre Probleme und Unzufriedenheit mündeten in einer Spielsucht, die wiederum chronische Geldknappheit zur Folge hatte.

Also ging der Bebraer im Laufe des vergangenen Jahres ein um das andere Mal in seinem Wohnort, in Bad Hersfeld und Ronshausen auf Diebestour. Bekleidung, Spirituosen, Werkzeug oder Haustechnik - er griff immer wieder zu, bis er im November in einem Hersfelder Kaufhaus auf frischer Tat ertappt wurde.

Dazwischen lagen noch ein Ausraster auf dem Lullusfest, als er einem Jüngeren mit der Faust ins Gesicht schlug, ein wüstes Wortgefecht mit einem Rotenburger Kneipenwirt und massive Beleidigungen einer Angestellten in einer Tankstelle. Dass er diese Frau auch noch angespuckt hatte, dafür schämte sich der 22-Jährige gestern besonders.

Edel sei der Mensch

Als der Bebraer dann auch noch einen Mitangeklagten, der bei einem Diebstahl Schmiere gestanden haben sollte, von einer Tatbeteiligung freisprechen wollte, kommentierte Richter Schnelle zwar noch mit einem Lächeln „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“, ließ sich aber im Wissen um die Aktenlage nur auf die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage ein.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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