Keine spürbare Entlastung durch neues Gesetz

Zahl der Spielsüchtigen im Kreis steigt weiter

Hersfeld-Rotenburg. Das neue hessische Spielhallengesetz, das der Spielsucht entgegenwirken soll, ist seit Juli in Kraft. Bis jetzt hat es im Kreis Hersfeld-Rotenburg allerdings nicht gewirkt. Die Zahl der Spielsüchtigen steigt nach Beobachtung von Fachleuten.

Dr. Heike Hinz, die Leiterin der Fachklinik Wigbertshöhe in Bad Hersfeld, berichtet zum Beispiel, dass die Patientenzahl zugenommen habe. Es gebe außerdem immer extremere Fälle. Ähnliches hat auch Christina Heimeroth von der Suchtberation der Diakonie in Bad Hersfeld bemerkt. Beide Einrichtungen kümmern sich um Menschen aus dem gesamten Landkreis. Schon jetzt hat Heimeroth mehr Menschen beraten müssen als im gesamten vorigen Jahr, nämlich 69. Gegenüber 2010 erwartet sie eine Verdoppelung der Anzahl Spielsüchtiger, die Hilfe suchten, also etwa 90 Betroffene. „Und es werden noch mehr kommen“, sagt Heimeroth.

Nicht nur die steigende Zahl an sich beunruhigt die Sozialpädagogin, auch, dass sie eine Verschiebung des Altersdurchschnitts registrieren muss. Ihr begegnen viele 18-Jährige mit problematischem Spielverhalten, sogar einzelne 16-Jährige sind darunter. Heimeroth fragt: „Wo greift da der Jugendschutz?“

Im Kreis gibt es nach Angaben von Pressesprecher Michael Adam 24 Genehmigungen zum Betrieb einer Spielhalle. Sie verteilen sich auf 14 Standorte.

Nach Angaben der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen werden monatlich in hessischen Spielhallen etwa 18 Millionen Euro verzockt. Es gibt etwa 40 000 Menschen mit problematischem oder krankhaftem Spielverhalten in Hessen.

In Bad Hersfeld kommt laut Landesstelle auf 220 Einwohner ein Spielgerät, in Bebra auf 212 Einwohner eines und in Rotenburg auf 359 Einwohner eines. Für die Geräte in Spielhallen und Gastronomie bekommen die Kommunen Vergnügungssteuer. Seite 5 Hintergrund, Zum Tage

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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