Erschreckende Ausprägung

Zahl der Demenzkranken steigt in Hersfeld-Rotenburg bis 2025 um ein Drittel

Gehirn-Jogging in Gama-Altenhilfezentrum in Ersrode: Heimbewohner Heinrich K. muss die Zahlen erkennen, die Pflegerin Frieda Brenner hochhält. Foto: Linke

Hersfeld-Rotenburg. Die Tendenz ist nicht neu, die Ausprägung aber erschreckend: Die Zahl der Demenzkranken wird noch deutlich steigen. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg werden es im Jahr 2025 ein Drittel mehr sein als noch 2008. Schon jetzt hat sich die Lage in einzelnen Pflegeeinrichtungen dramatisch gewandelt.

In Hersfeld-Rotenburg wird die Zahl der Demenzkranken innerhalb von 17 Jahren um 29 Prozent steigen. Das geht aus einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hervor. In den Nachbarskreisen Fulda und Werra-Meißner wird sogar mit einem noch höheren Anstieg gerechnet.

Habe es 2008 noch 2150 Betroffene gegeben, werden es im Jahr 2025 rund 2760 demenzkranke Menschen im Kreis sein. „Diese Entwicklung ist nicht nur dem Älterwerden der heutigen Gesellschaft geschuldet“, sagt Harald Schmidt von der DAK-Gesundheit in Bad Hersfeld. „Auch verstärkter Zuzug ehemals Weggezogener aus den Ballungsräumen Rhein/Main und anderen Gebieten in Deutschland trägt dazu bei.“

Vor zehn Jahren machten die an Demenz erkrankten Bewohner des Gama-Altenhilfezentrums in Ersrode noch einen Anteil von zehn Prozent aus. „Von 65 Heimbewohnern sind derzeit etwa 55 Demenzkranke,“ sagt Leiter Jürgen Friedenberger. Doch es fehle an Fachkräften im Pflegebereich: „Es ist immer schwieriger, Menschen für diesen Beruf zu begeistern.“

Daniela Leuthold, Einrichtungsleiterin des Awo-Altenzentrums in Bebra, kann das bestätigen: „Seit Mitte der 90er-Jahre ist die Zahl Demenzkranker stetig gestiegen.“ Derzeit liege die Quote von Bewohnern mit Demenz bei 84 Prozent und damit über dem Bundesdurchschnitt von 60 Prozent.

„Mit einer steigenden Zahl von Demenzkranken wird auch die Bedeutung der Pflege innerhalb der Politik und in den gesetzlichen Krankenkassen weiter steigen“, sagt Julia Abb, Pressesprecherin der Techniker Krankenkasse Hessen. Für die fundierte Betreuung von Demenzkranken sei eine gute fachliche Ausbildung nötig. Diese zu organisieren, werde eine große Herausforderung der kommenden Jahre darstellen.

Hintergrund

Dem Demenz-Report des Berlin-Instituts zufolge leiden derzeit deutschlandweit rund 1,4 Millionen Menschen unter einer Demenz. Die Zahl der Betroffenen soll sich bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, die das Kurzzeitgedächtnis, das Denkvermögen, die Sprache und die Motorik beeinträchtigt. Mit rund zwei Dritteln ist die Alzheimer-Krankheit die am häufigsten auftretende Form von Demenz. Die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu er-kranken, steigt nach dem 65. Lebensjahr rapide an. Die Alterung der Gesellschaft bringt es deshalb mit sich, dass der Anteil der Menschen mit Demenz an der Gesamtbevölkerung steigt. (mli)

Von Miriam Linke

Quelle: HNA

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