"Wieder einmal eine große Chance vertan!"

Im Wortlaut: Offener Brief von Manuela Schmermund zum Lullus-Sportpark

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Manuela Schmermund

Bad Hersfeld. In einem offenen Brief an die Stadtverordneten hat Paralympics-Siegerin Manuela Schmermund beklagt, dass Bad Hersfeld beim Lullus-Sportpark eine große Chance vertan hat. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut.

"Sehr geehrte Damen und Herren der Stadtverordnetenversammlung, ich habe mich lange zurückgehalten, bevor ich mich nun öffentlich zu diesem unvorstellbar peinlichen Vorgehen äußere. Vorweg möchte ich sagen, dass mich das Farbenspiel von Parteien herzlich wenig interessiert und meine persönliche Motivation für ein Engagement in diesem Thema mit meiner Verbundenheit zu unserer eigentlich wunderbaren Region zusammenhängt. Die Einschätzung meiner persönlichen und fachlichen Kompetenz überlasse ich gerne Ihnen. Ich glaube jedoch, dass ich mit meiner jahrelangen beruflichen Erfahrung in einer Kommunalverwaltung, in der Abteilung Sport des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport und als Mitarbeiterin des Deutschen Fußball-Bundes (Bereich Nachhaltigkeit), gepaart mit meiner nunmehr 16-jährigen internationalen Sportlerkarriere und dem ehrenamtlichen Engagement in unterschiedlichen Vereinen und Verbänden (unter anderem als Gesamtaktivensprecherin des Deutschen Behindertensportverbandes und eine der Botschafterinnen des Themenjahres „Selbstbestimmt dabei.Immer“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes) eine gewisse „geistige Grundlage“ zur Einschätzung und Umsetzung dieses Projektes mitbringe. Bereits zu Beginn dieses Projektes war ich fasziniert von dem Engagement, der Motivation zur Zusammenarbeit, dem Willen eigene Beiträge zu leisten und dem Ideenreichtum aller beteiligten Vereine, die ich persönlich aufgesucht habe. Allein dies dürfte ein Novum in Bad Hersfeld sein, dass sich mehr als 20 (!) Vereine dazu bereit erklärt haben eine solche, noch nie dagewesene Idee anzugehen.

Bei allen Besuchen vor Ort wurde mehr als deutlich, dass in den kommenden Jahren ohnehin großer Sanierungsbedarf entstehen wird. Die Idee, ein Areal mit ausschließlich bereits bestehenden Einrichtungen zu kreieren, welches offen für alle Bürger der Stadt, der Region, der Patienten, der Firmenmitarbeiter und auch der Besucher Bad Hersfelds ist, hat überzeugt. Hinzu kam der Aspekt, Menschen in Bewegung zu bringen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter und körperlichen und/oder geistigen Einschränkungen. Die Schaffung von Gesundheits-, Bewegungsangeboten, die dem Bereich Breitensport zugeordnet werden können und die Schaffung von infrastrukturellen Grundlagen für den Leistungssport. Dies umschreibt in groben Zügen das Gesamtprojekt, welches in dieser Form definitiv einzigartig in Hessen und meines Wissens nach sogar bundesweit ist. Hier setzt das Sonderinvestitionsprogramm „Herausragende Sportanlagen“ ein. In diesem Programm ist eine deutlich höhere Förderung möglich! Der Ministerpräsident war persönlich zweimal (!) in Bad Hersfeld und hat die Unterstützung des Landes öffentlich zugesagt. Hinzu kommt eine erneute Zusage der umsetzenden Abteilung des Ministeriums bei einem Besuch zu Beginn diesen Jahres. Dies alles stellen Sie nun so dar, als wenn dies unglaubwürdig ist? Dies ist schon ein ganz starkes Stück! Ein detaillierter Finanzierungsplan hätte erst erfolgen können, nachdem die Stadtverordnetenversammlung der ursprünglichen Version des Haushalts zugestimmt hätte, in der es um die Genehmigung der Kosten für die Ausschreibung zur Vorbereitung des detaillierten belastbaren und prüffähigen Antrags nach DIN 277 ging. Diese Position war gleichzeitig mit einem Sperrvermerk versehen, die verhindert hätte, dieses Projekt ohne Förderbescheid des Ministeriums umzusetzen. Genau an dieser Stelle fiel die nicht nachvollziehbare Entscheidung dies abzulehnen, um gleichzeitig den Auftrag an die Stadtverwaltung zu geben, die Kosten zur Sanierung des Hessenstadions über die „normale“ Förderung des Ministeriums zu ermitteln (die deutlich niedriger ist als im Sonderinvestitionsprogramm). Übrigens: es wird auch nicht besser, wenn man stets nur die Zahl der Gesamtinvestition benennt und dabei die mögliche Förderung „vergisst“ zu nennen. Ich persönlich bin mehr als nur überrascht, dass sich die Verantwortlichen nun als „unwissend“ hinstellen und über mangelnde Nachhaltigkeit referieren. Ich habe mehrfach angeboten für Rückfragen jeglicher Art zur Verfügung zu stehen. Bei mir haben sich diese Leute, auch wenn wir uns auf verschiedenen Veranstaltungen über den Weg gelaufen sind und ich dies auch mehrfach angeboten habe, niemals über das Projekt erkundigt! Ich freue mich trotzdem, dass es doch eine große Zahl an interessierten Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung gegeben hat, die sich auch anlässlich anderer Veranstaltungen und Terminen inhaltlich mit dem Thema beschäftigt, nachgefragt und es anschließend ebenfalls als ein wunderbares Leuchtturmprojekt gesehen haben. Es geht hier auch gar nicht um mich persönlich, nein.

Es haben sich noch viele Menschen mehr intensiv engagiert, sei es vor Ort in Bad Hersfeld oder auch direkt im Ministerium. Sind Sie sich eigentlich über die gesamte (überregionale) Tragweite dieser Entscheidung bewusst? Sie haben Bad Hersfeld und die engagierten Menschen lächerlich gemacht, einmal mehr! Weiterhin haben Sie allen beteiligten Vereinen, den vielen ehrenamtlichen Mitgliedern eine schallende Ohrfeige verpasst. Dies alles wollen Sie nun damit kaschieren, dass Sie die Stadt vor weiterem Schaden bewahren wollen? Sie haben den weiteren Schaden der Stadt zugefügt! In der ersten Vorstellung des Grobkonzeptes haben alle Parteien zugesagt, sich „gemeinsam“ der Sache zu widmen, unabhängig irgendwelcher Ränkespiele. Da gilt wohl nun ganz der alte Spruch: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“? Die einzigen Störfeuer, die die gesamte Zeit über das Projekt bombardiert haben, kamen aus zwei Richtungen und diese haben es jetzt beerdigt. Ich bin schon ganz gespannt darauf, wie Sie zukünftig Menschen motivieren wollen sich für die Heimatregion einzusetzen, hier zu bleiben und Spaß daran zu haben. Es gäbe noch so viel mehr hierzu zu schreiben, aber ich stehe Ihnen auch gerne weiterhin zu einem persönlichen Austausch zur Verfügung.

Manuela Schmermund Niederaula

Quelle: HNA

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