Mit der Klassik nach oben

Wochenendporträt: Ute Fesquet aus Kerspenhausen hat Karriere gemacht

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Ute Fesquet aus Kerspenhausen

Bad Hersfeld. Als die Abiturientin Ute Gramann 1985 ihr Volontariat bei der Hersfelder Zeitung begann, war für Chefredakteur Arnold zum Winkel schnell klar, wie er die junge Frau aus dem Niederaulaer Ortsteil Kerspenhausen bevorzugt einsetzen würde: Für die Berichterstattung über klassische Konzerte.

Denn die Tochter des damaligen Schulleiters der Gesamtschule Niederaula verfügte als Cellistin über die erforderlichen Fachkenntnisse.

Merkwürdigerweise war die Nachwuchsschreiberin auch bei einer völlig anderen Klientel gefragt. "Ich musste als Volontärin oft zu den Feuerwehrversammlungen gehen", blickt die 47-Jährige zurück, "und die haben sich immer gefreut, wenn ich kam. Warum, weiß ich bis heute nicht."

Mit Feuerwehren hat Ute Fesquet, wie sie mittlerweile heißt, mittlerweile nichts mehr zu tun. Die klassische Musik aber, die hat sie auf ihrem weiteren Lebensweg begleitet und zu einer beruflichen Karriere verholfen, die sie bis in eine Führungsposition beim Plattenlabel Deutsche Grammophon geführt hat. Dort ist Fesquet als Vice President Artists und Repertoire für Projekte und Verträge mit künstlerischen Hochkarätern wie Ann-Sophie Mutter oder Anna Netrebko verantwortlich.

Der berufliche Werdegang von Bad Hersfeld zu ihrem Arbeitsplatz in Berlin hat Ute Fesquet im Anschluss an das Zeitungsvolontariat zunächst zum Studium der Musikwissenschaften und der Geschichte nach Hamburg und Wien geführt.

In der Hansestadt knüpfte sie erste Kontakte zur Plattenindustrie. Für das kleine Teldec-Label übernahm sie das Lektorat von CD-Booklets. Mit der Aufnahme des ersten Konzerte der drei Tenöre Pavarotti, Domingo und Carreras von 1990 gelang jedoch ein Volltreffer, der auch andere auf Ute Fesquet aufmerksam machte: Sie ging daraufhin zur Deutschen Grammophon in die Abteilung Promotion und Marketing, in der sie auch ihre journalistische Ausbildung anwenden konnte.

Dort blieb sie fünf Jahre, wechselte dann innerhalb des Unternehmens die Seiten und war von nun an direkt für die Betreuung der Künstler des Labels zuständig. "Wir haben etwa 40 Künstler exklusiv unter Vertrag", erzählt sie beim feiertäglichen Kurzbesuch in der alten Heimat. Heute leitet sie die Abteilung und findet es spannend, sich auf neuen Wegen um ein junges Publikum zu bemühen. "Das sucht nach neuen Komponisten und neuen Instrumenten", sagt sie und verweist beispielsweise auf die Wiederentdeckung der Mandoline. Auch böten digitale Formate bislang ungeahnte Möglichkeiten, verschiedene Einspielungen eines Werkes direkt miteinander zu vergleichen.

Ohnehin hält Ute Fesquet die klassische Musik keineswegs für angestaubt. "Die Klassik hat immer eine Chance, weil es Rituale gibt, die die Leute faszinieren." Und sie fügt lächelnd hinzu: "Denn wo gibt es das sonst noch, dass man sich ganz bewusst für 45 Minuten oder länger von seinem Smartphone verabschiedet?"

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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