Gemeinsam in Rotenburg: Mit Bürgerengagement Folgen des Schutzschirms mildern

Wissen, was Stadt braucht

Damit es in Rotenburg auch unter dem Schutzschirm weitergeht: Vorsitzender Karl-Heinz Lies (von links), Schriftführer Wolfgang Bodenstein und der stellvertretende Vorsitzende Jürgen Dietrich vom Verein Gemeinsam in Rotenburg werben um das Engagement der Bürger für ihre Stadt. Foto: Janz

Rotenburg. Ein gutes halbes Jahr ist der Verein Gemeinsam in Rotenburg alt, und er wächst. Bald soll das 100. Mitglied aufgenommen werden. Hinter allem steht ein erklärtes Ziel: mit dem Einsatz der Bürger die Stadt attraktiver zu machen - auch und gerade unter dem kommunalen Schutzschirm.

„Es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken“, sagt der Vorsitzende Karl-Heinz Lies. Unter dem Schutzschirm würden zwar viele städtische Angebote gekürzt oder gestrichen, während die Bürger zugleich mehr Abgaben zahlen müssen. Lies sieht den Schutzschirm jedoch als Möglichkeit, dass die Bürger selbst die Initiative ergreifen können: „Das kostet nichts außer dem Engagement, sich zu seiner Stadt zu bekennen.“

Verein steht allen offen

Mit großer Überzeugung wirbt Lies überall um neue Mitglieder. Gemeinsam in Rotenburg wolle die Lebens- und Arbeitsverhältnisse für alle in der Stadt verbessern. Dafür müssten aber auch viele mitmachen und helfen, ihre Stadt voranzubringen, sagt Lies: Geschäftsleute und Kirchengemeinden, Jugendliche, Eltern und Senioren, Vertreter von Vereinen und der Stadt selbst - der Verein stehe allen offen.

Kein Debattierclub

Damit Gemeinsam in Rotenburg kein Debattierclub wird, in dem viel geredet wird, aber wenig geschieht, hat der Vorstand den themenbezogenen Arbeitsgruppen einen Fahrplan auf den Weg gegeben. „Wir wollen hier keine Luftnummer abliefern, sondern sehen, was mit geringen Mitteln möglich ist“, sagt Lies. Das Vorgehen erinnert an das Erarbeiten eines Stadtleitbildes, das von Mainz bis Oldenburg, von Böblingen bis Wilhelmshaven viele Städte für sich entdeckt hat, um im Einklang mit den Bürgern Ziele festzulegen und umzusetzen. „Was Beratungsfirmen für viel Geld machen, das schaffen wir auch selbst“, sagt Schriftführer Wolfgang Bodenstein, der Erfahrung mit Marketingkonzepten hat.

Wo klemmt es?

Bevor die Arbeitsgruppen Pläne für die Zukunft schmieden, untersuchen sie, wie es in Rotenburg auf ihrem Gebiet bestellt ist. „Wir können die Zukunft bewusst gestalten, dafür müssen wir aber wissen, wo es klemmt“, sagt Bodenstein. Natürlich hätten viele Menschen eine Ahnung, was in ihrer Stadt im Argen liegt. Doch es genau zu benennen sei Grundlage, um die Verhältnisse verbessern zu können.

Freie Geschäfte nutzen

Wie das funktionieren kann, hat die Arbeitsgruppe Wirtschaft und Handel bereits demonstriert: Sie hat die leeren Läden in der Innenstadt erfasst und gemeinsam mit Partnern wie der Stadt Rotenburg die Initiative Startquartal begonnen, damit es Firmengründer leichter haben und freie Geschäfte wieder genutzt werden (wir berichteten).

Lies hofft, dass Gemeinsam in Rotenburg weitere Mitglieder gewinnt: „Wir wollen ja weiterkommen.“ Dafür brauche es Mitglieder, die aktiv mitarbeiten, aber auch Förderer, die die Ziele des Vereins mit ihrem Beitrag unterstützen. Lies: „Wir können die Verhältnisse in unserer Stadt positiv beeinflussen, wir müssen aber bereit sein, auch etwas dafür zu tun.“ www.gemeinsam-in- rotenburg.de

Von Marcus Janz

Quelle: HNA

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