Referenten mahnen gemeinschaftliche Verhandlungen an

Windkraft: Viele Besucher bei Cornberger Bürgerversammlung

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Rockensüß. Skepsis auf der einen Seite, Aufbruchstimmung auf der anderen: Die Teilnehmer der Cornberger Bürgerversammlung zum Thema Windkraft machten deutlich, dass noch viele Fragen zur Nutzung der alternativen Energiegewinnung offen sind.

Viele waren einer Einladung von Gemeindevertretungsvorsitzendem Achim Scholz ins Dorfgemeinschaftshaus Rockensüß gefolgt. Dazu hatte die Verwaltung ganz bewusst keine Investoren, sondern stattdessen zwei unabhängige Experten eingeladen, hatte Bürgermeister Achim Großkurth schon im Vorfeld gesagt. Hans-Hermann Freischlad, Vorstand der Energiegenossenschaft Haiger, und Rechtsanwalt Dr. Fabio Longo informierten über Chancen, die die Windkraft bietet, und stellten Nutzungs-Modelle aus anderen Orten vor. „Theoretisch könnte Cornberg 80 Prozent seines Strombedarfs durch Windenergie decken“, erklärte Freischlad.

Er appelierte an die Bürger der Gemeinde, sie sollten diese Chance erkennen und nutzen. „Sie müssen dazu nur rechtzeitig die Weichen stellen.“ Konkret meinte er damit, dass sich Gemeinde und Grundstückseigentümer rechtzeitig zusammenschließen sollten, um gemeinsam mit Investoren zu reden. „Wir müssen in den kommenden drei Wochen handeln, bevor uns Verträge von den Betreibern aufgedrängt werden“, meinte ein Betroffener. „Was wäre denn ein fairer Preis für einen Pachtvertrag?“ fragte ein anderer.

Dazu gab es allerdings keine konkrete Antwort. Die Bürger äußerten auch Bedenken hinsichtlich Lärmschutz, Schattenwurf, Naturschutz, Entfernung der Anlagen vom Wohngebiet und gesundheitlicher Folgen. Dr. Longo sagte: „Der Naturschutz wird in keinem Bereich unserer Wirtschaft so sorgfältig beachtet wie beim Bau von Windkraftanlagen.“ Bisher sei zum Beispiel in Deutschland nachweislich erst ein Rotmilan von einer Windkraftanlage erschlagen worden, sagt Freischlad. Das sei zwar schlimm, im Vergleich dazu, dass jährlich Tausende Vögel im Straßenverkehr stürben, aber ein geringer Schaden. Die Windräder dürfen nachts nicht mehr als 35 Dezibel haben.

Zum Vergleich: Ein normales Gespräch liege bei 65 Dezibel. „Der Infraschall wird aber beim Lärmschutz nicht berücksichtigt, obwohl er gesundheitsschädlich für den Menschen ist“, sagte eine Bürgerin. Diese Bedenken seien nicht berechtigt, entgegneten die Experten. Es gebe ein Urteil des Verwaltungsgerichts, nach dem von Infraschall, also Schall auf niedrigster Frequenz, keine Gefahr ausgehe.

Von Marc Hörcher

Quelle: HNA

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