Cornbergs Gemeindevertreter wollen den Teilregionalplan Energie aktiv mitgestalten

Den Wind künftig nutzen

Dort könnten Windkraftanlagen hin: Eine gemeindeeigene Waldfläche, die für Windenergie in Betracht kommt, ist der in der Gemarkung Königswald oberhalb von Dankerode gelegene Bereich „Auf der Kuppe“. Revierförster Heinrich Peitzmeier zeigt auf die am Freitag fast noch tief verschneite und in schönster Frühlingssonne liegende mögliche Vorrangfläche – rechts oben. In der Bildmitte erkennt man die von Dankerode in östlicher Richtung verlaufende Landesstraße. Foto: Apel

Cornberg. Mit Wind Geld machen – das wollen jetzt auch die Cornberger Gemeindevertreter. Entgegen einem 2003 gefassten Anti-Windkraft-Beschluss sprachen sie sich in ihrer Sitzung am Donnerstag einstimmig dafür aus, während des Anhörungsverfahrens Stellung zu nehmen zum Entwurf des „Teilregionalplans Energie Nordhessen 2013“. Dieser weist im großen Umfang Waldflächen für die Nutzung von Windenergie aus – auch und gerade in der Gemarkung der vergleichsweise hoch und damit „windhöffig“ gelegenen kleinsten Gemeinde des Landkreises.

Der Grund für den Meinungsumschwung: Mit der Verpachtung von gemeindlichen Waldflächen an Windenergieanlagen-Betreiber lassen sich Einnahmen erzielen, die die verschuldete Kommune gut gebrauchen kann und auf die sie gemäß Rettungsschirm-Vereinbarung auch zurückgreifen soll.

Gegen den Willen möglich

Darüber hinaus handelt es sich bei Windenergieanlagen um baurechtlich privilegierte Anlagen, die im Extremfall auch gegen den Willen der Gemeinde gebaut werden können. Einzige Voraussetzung: Es muss regionalplanerisch festgestellt sein, dass dem Bau keine schutzwürdigen öffentlichen Interessen – wie etwa Belange des Naturschutzes – entgegenstehen.

Dies vor Augen beschlossen die Parlamentarier, aktiv an der Gestaltung der von allen Beteiligten grundsätzlich als sinnvoll angesehenen Energiewende teilzunehmen. „Das ist besser, als wenn uns irgendetwas übergestülpt wird. Und auch besser, als wenn in Nachbargemeinden gebaut wird und bei uns nicht. Denn davon hätten wir gar nichts“, erläuterte Bürgermeister Achim Großkurth.

Verlust von Landschaft

Der Verwaltungschef steht der großflächigen Nutzung von Windenergie dennoch kritisch gegenüber. Zum einen stellte er infrage, ob die für einen wirtschaftlichen Betrieb einer Anlage erforderliche Leistung erreicht werde. Zum anderen beklagte er den Verlust von Landschaft: „Es kann alles nur einmal genutzt werden.“

SPD-Fraktionsvorsitzender Hans Heinrich Ullrich bezifferte den aus kleineren oder mittleren Windparks zu erzielenden Betrag auf etwa 100 000 Euro. Er regte an, sich mit den Nachbargemeinden abzustimmen, damit auf Cornberger Grund und Boden wenigstens drei „Windmühlen“ errichtet werden können.

Ähnlich argumentierte CDU-Fraktionsvorsitzender Hilmar Bettenhausen, der der Regionalplan-Änderung grundsätzlich skeptisch gegenübersteht, der jedoch davor warnte, dass Cornberg Gefahr laufe, dumm dazustehen, wenn es sich nicht an der laufenden Diskussion beteilige.

Heinrich Peitzmeier von der Cornberger Bürgerliste sprach sich ausdrücklich gegen Atomkraft und Strom aus Kohle aus. Er befürwortete Energiegewinnung aus Wind. Wie zuvor schon Georg Wennemuth (SPD) warf auch Peitzmeier in die Waagschale, dass noch stärker gespart werden müsse, wenn nicht wenigstens versucht werde, für Windkraft nutzbare Gemeindewaldflächen „zu Geld“ zu machen.

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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