Sein Lied hat ihn gefunden

Wildecker Herzbube Wilfried Gliem feiert 70. Geburtstag

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Wurde 70 Jahre alt: Der Wildecker Herzbube Wilfried Gliem in seinem Garten in Hönebach. Außer für seine Zeit an der Kasseler Hochschule hat er die Region als Lebensmittelpunkt nie verlassen.

Hönebach. Ein bis zwei Auftritte im Monat würden ihm reichen, sagt Wilfried Gliem, lehnt sich in seinem Garten im Wildecker Ortsteil Hönebach zurück und beginnt zu erzählen.

Von alten Bands, von unnötigen Genre-Grenzen, von Instrumenten und seiner Fähigkeit, das hohe Cis zu singen. Schnell ist klar: Ganz ohne Musik könnte der „Wildecker Herzbube“ auch gar nicht. Jetzt wurde er 70 Jahre alt.

„Natürlich ist der Rummel kleiner und die Auftritte weniger geworden“, sagt der Mann, dem einst ein Elefant in einer Hotellobby Blumen überreichen sollte, diese aber lieber auffraß. Spricht Gliem über diese Hochphase des pfundigen Duos Anfang der 90er-Jahre, merkt man den Stolz. Verständlich für einen, der als leidenschaftlicher Musiker vergleichsweise spät Erfolge feierte.

Bei seinem ersten Engagement ist Gliem 15 Jahre alt. 30 Mark bekommt er für mehr als zehn Stunden Konzert auf einer Silvesterfeier in Bodesruh. Er springt als Aushilfe ein, weil eine „Kapelle, wie wir damals statt Band noch sagten“ doppelt gebucht worden war und sich aufteilen muss. Gliem ist angefixt. „Für Musikmachen Geld bekommen? Wahnsinn“, sagt er, „das war eh das, was ich am liebsten gemacht habe.“ In den folgenden Jahren tingelt Gliem mit wechselnden Mitmusikern durch die Region, knüpft Kontakte und lernt „den besten Trompeter, den ich je gehört habe“ kennen. Der heißt Wolfgang Schwalm und wird später Gliems Partner bei den Herzbuben.

Diese gründen sich 1989, nachdem der Eschweger Schlagerstar G. G. Anderson, in dessen Begleitband beide spielten, Interpreten für einen neuen Song suchte. Das Lied, das ursprünglich mal Caruso hieß, hatte zuvor Peter Alexander abgelehnt, weil ihm der Text frauenfeindlich erschien. Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals produzierte eine Version, die ihm dann doch nicht gefiel. Und auch Gliem dachte beim ersten Hören: „Oh Gott, was ist das nur für ein Schrott.“ Lediglich aus Loyalität zu Anderson hätten die Herzbuben das Lied aufgenommen und waren dann doch begeistert. Ebenso wie die Fans: „Herzilein“ erreicht innerhalb weniger Monate Doppelplatin-Status in Deutschland, was 1990 sonst nur Phil Collins und Matthias Reim gelang.

Seinen runden Geburtstag wollte der begeisterte Briefmarkensammler („Da kann ich wunderbar entspannen“) nicht besonders groß feiern. Für Gäste, die im Laufe des Tages vorbeischauten, war natürlich trotzdem etwas vorbereitet.

Quelle: HNA

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