Gemeindevorstand schickte ihn in Ruhestand

Wildecks Bürgermeister seit 16 Monaten krank - Seine Erklärung im Wortlaut

Wildeck. Jürgen Grau (parteilos) ist nur noch bis Ende Juni Bürgermeister von Wildeck. Der Gemeindevorstand hat entschieden, ihn wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand zu versetzen. Ausschlaggebend war das Gutachten des Amtsarztes.

Der Bürgermeister ist seit Ende September 2012 krank. Nach monatelangem Hin und Her haben sich der Bürgermeister und die Gemeinde Wildeck auf einen Kompromiss geeinigt. Das teilte der Erste Beigeordnete Steffen Sauer am Donnerstagabend den Gemeindevertretern mit. In einem Gutachten hatte der Amtsarzt Mitte Dezember festgestellt, dass der 57-Jährige weiterhin dienstunfähig ist. In absehbarer Zeit sei nicht mit einer Rückkehr zu rechnen.

Nachdem das Gutachten vorgelegen hatte, hatte der Gemeindevorstand Grau angekündigt, ihn für dienstunfähig zu erklären. Eine Versetzung in den Ruhestand mit sofortiger Wirkung wollte er aber nicht akzeptieren und bot einen Kompromiss an: den Ruhestand zum 30. Juni.

„Der Gemeindevorstand musste davon ausgehen, dass Grau gegen die sofortige Versetzung in den Ruhestand vor Gericht klagen würde“, sagte Sauer. Deshalb habe man den Vergleich akzeptiert: „Damit können wir möglichst rechtssicher und in naher Zukunft die Handlungsfähigkeit der Gemeinde Wildeck wieder herstellen.“ Am Mittwoch übergab der Vorstand die Entlassungsurkunde.

Grau war im September 2009 mit 70,8 Prozent im Amt bestätigt worden. Sauer verlaß in der Sitzung am Donnerstagabend auch eine persönliche Erklärung Graus.

Das Parlament wird in einer Sondersitzung am kommenden Donnerstag den Termin für die Wahl des neuen Bürgermeisters festlegen.

Bürgermeister Jürgen Grau hat sich erstmals seit Beginn seiner Krankheit vor 16 Monaten öffentlich zu Wort gemeldet. Der Erste Beigeordnete Steffen Sauer (FWG) verlas in der Sitzung der Gemeindevertreter eine Erklärung des Bürgermeisters. Wir dokumentieren sie im Wortlaut:

"Sehr geehrter Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren, zunächst bitte ich um ihr Verständnis, dass ich mich auf diesem Wege an Sie wende. Es ist für mich eine Situation eingetreten, die ich zutiefst bedaure. Seit September 2012 bin ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage, die Geschicke der Gemeinde Wildeck zu leiten. Nach elf Monaten Klinikaufenthalt hatte ich die Hoffnung, in absehbarer Zeit in mein Amt als Bürgermeister zurückkehren zu können und meine ganze Kraft zum Wohl der Gemeinde Wildeck und ihrer Bürger wieder einzubringen. Ich war mir sicher, dem Vertrauen meiner Wähler wieder gerecht werden zu können.

Doch die Realität hat mich bedauerlicherweise eines Besseren belehrt. Ich danke an dieser Stelle allen, die während der Zeit meiner Abwesenheit die Arbeit unter erschwerten Bedingungen weitergeführt haben. Es braucht Zeit, um mich an den Gedanken zu gewöhnen in den vorzeitigen Ruhestand zu gehen, eine Entscheidung zu akzeptieren, die man nicht selbst aus freien Stücken getroffen hat. Hier zählt aber nicht das persönliche Anliegen, sondern das Wohl der Gemeinde, und somit muss ein Neuanfang gemacht werden. Ich danke allen, die meine Arbeit unterstützt haben, mir mit Rat und Tat zur Seite standen.

Danke auch für alle Genesungswünsche und gut gemeinten Worte, die mich in den vergangenen Monaten erreicht haben. Ich wünsche allen, die Verantwortung für unsere Gemeinde übernommen haben und auch übernehmen werden, gute Entscheidungen zum Wohle der Allgemeinheit.“

Von René Dupont

Quelle: HNA

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