Neuer Eigentümer hat besondere Pläne

Wieder Leben in Guttels: Hof wird wieder bewirtschaftet

Viel zu tun: Dr. Walter Meyer, links, und sein Freund und Verwalter von Guttels, Alexander Koch, investieren viel Zeit in den Betrieb des Waldgasthofes Guttels. Das Gebäude stammt, so geht es aus einer Inschrift hervor, von 1724. Fotos: Schäfer-Marg

Rotenburg. Mehr Idylle geht nicht: Als Dr. Walter Meyer aus Habichtswald bei Kassel auf der Suche nach einem „alternativen Lebensobjekt“ war, stieß er im Internet auf Hof Guttels bei Rotenburg. Als „eines der letzten Paradiese Deutschlands“ war es dort angepriesen worden – und hat die Erwartungen des Arztes nicht enttäuscht.

Vor eineinhalb Jahren kaufte er den Waldgasthof mit dazugehörigem Ellerhäuschen und der Scheune, die bereits Anfang der 1970er-Jahre zu einem Gebäude mit mehreren Appartements ausgebaut worden war. Diese werden nun neu gestaltet.

Mehrere Jahre lang hatte Hof Guttels leer gestanden, da hieß es Ärmel aufkrempeln. Für einen praktizierenden Arzt allein, der auch noch Amtsarzt im sozial-psychologischen Dienst ist, kein einfaches Unterfangen.

Dr. Walter Meyer nahm seinen Freund Alexander Koch mit ins Boot. Der packte in der Sanierungsphase mit an und lebt seit einigen Wochen mit seiner Frau in Guttels. Inzwischen ist er fest angestellt. Geschäftsführer mag er sich nicht nennen, er sieht sich als Verwalter von Guttels.

Offen für Gäste

Der Waldgasthof ist wieder täglich ab 12 Uhr geöffnet, eigentlich bis 18 Uhr, „Aber wenn die Leute sitzen bleiben, dann haben wir auch länger auf“, sagt Alexander Koch. Während der Woche bekommt der Gast selbstgebackenen Kuchen und kleine kalte Speisen. Am Wochenende ist richtiger Restaurantbetrieb, dann arbeitet ein Koch in Guttels. Und an jedem Freitag wird der Grill für Gäste angeheizt. „Wichtig ist uns, frische regionale Speisen anzubieten“, sagt Alexander Koch.

Das Haupthaus beherbergt neben Restaurant auch eine große Ferienwohnung unterm Dach sowie mehrere Doppel- und Einzelzimmer für Feriengäste. Das Ellerhäuschen soll ebenfalls als Ferienhaus angeboten werden.

Für seelisch Kranke

Wer hierher kommt, muss es ruhig mögen. Genau diese Ruhe, ein schützendes Umfeld, braucht Dr. Meyer für das, was er alternatives Lebensobjekt nennt. Hier sollen auch Menschen leben und arbeiten können, die seelisch gehandicapt sind, die eine Auszeit vom rasend schnellen Leben brauchen oder sich langsam wieder an einen Alltag gewöhnen müssen.

Das künftige Ferienhaus: Familien und Gruppen können das Ellerhäuschen mieten, das etwas abseits vom Haupthaus liegt.

Dr. Meyer hat nämlich ein Thema, das er nicht zuletzt durch seine Tätigkeit als Amtsarzt als immer drängender empfindet: Die Selbstbestimmung des Menschen über sein Leben wird, so sagt er, immer mehr reduziert. Und viele Menschen erkranken an diesem Umstand, die Arbeitsunfähigkeit durch seelische Erkrankungen steigt drastisch an. Deshalb will er solchen Menschen helfen. Denn das Gesundheitssystem in Deutschland hält der Arzt da für wenig hilfreich.

Darum das Projekt Guttels. Gästen etwas Gutes bieten mit regionaler Küche, ein autarker Betrieb des Gutshofes mit dezentraler Energieversorgung, gute Bedingungen mit fairen Löhnen für die Mitarbeiter. Sieben Aushilfskräfte sind derzeit in Guttels beschäftigt, der Stamm soll auf 15 erweitert werden, sagt Alexander Koch. Gerade im Servicebereich fehlen noch Mitarbeiter. www.waldgasthof-guttels.de

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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