Obersuhler Kindertagesstätte Vogelnest für Sucht- und Gewaltvorbeugung ausgezeichnet

Wenn Spielzeug Ferien hat

Mit Zertifikat: Christina Heimeroth – ganz links – überreichte den Kindergartenmitarbeiterinnen die Zertifizierungsurkunden. Unser Bild zeigt von links stehend: Ursula Apel, Gisela Fink, Vera Schüler, Miriam Reuter, Mechthild Schmidt und Pfarrer Andreas Schmidt-Wecken. Vorne von links: Sabine Schade und Andrea Staniczek. Fotos: Meyer

Obersuhl. Im Obersuhler Kindergarten Vogelnest macht das Spielzeug jeden Freitag Ferien. Puppe, Kran, Bagger, Rennauto, Bauklötze - alle bleiben im Regal liegen. Der spielzeugfreie Freitag ist ein wichtiger Baustein von Papilio, einem Programm zur Sucht- und Gewaltvorbeugung für Kinder. Der Kindergarten wurde jetzt als erster evangelischer Kindergarten im Landkreis als Papilio-Einrichtung zertifiziert.

Papilio ist das lateinische Wort für Schmetterling. Dahinter verbirgt sich ein Augsburger Verein mit dem Ziel, Kinder so zu fördern, dass sie später nicht süchtig oder gewalttätig werden. Papilio arbeitet mit der Augsburger Puppenkiste, mit der AOK und mit Behörden zusammen. Christina Heimeroth von der Fachstelle für Suchtprävention beim Landkreis Hersfeld-Rotenburg überreichte sieben Mitarbeiterinnen bei einem Sommerfest die Zertifizierungsurkunden und zertifizierte zugleich die Einrichtung als solche.

Heimeroth erklärt: „Das Programm setzt im Kindergarten an, weil Kinder hier die sozial-emotionalen Kompetenzen erwerben, die sie vor einer negativen Entwicklung schützen.“ Das Alter zwischen drei und sieben Jahren sei die wichtigste Phase.

Kindergartenleiterin Ursula Apel erklärt den Sinn des spielzeugfreien Freitags: Der Überfluss an Spielzeug und Konsumgütern im Kindesalter führe dazu, dass viele sich im Jugend- und Erwachsenenalter nicht mit sich selbst beschäftigen könnten. Wenn das Spielzeug Ferien hat, hätten die Kinder keine andere Möglichkeit, als miteinander zu spielen und in Interaktion miteinander zu treten. „Die Kinder besinnen sich auf den Ursprung des Spielens, und ihre Kreativität ist gefordert.“

Die Kinder könnten sich darin üben, Konflikte zu lösen, sich auf den anderen einzufühlen und die Perspektive zu wechseln. „Es ist eine wahre Freude, zu beobachten, wie die Kinder an diesem Tag spielen“, so Apel. „Sie vermissen das andere Spielzeug nicht.“

Zum Papilio-Programm gehört auch das Meins-deins-unser-Spiel und ein Puppentheater-Spiel mit Heulibold, Zornibold und Bibberbold. Dabei lernen die Kinder, eigene Gfühle wahrzunehmen und zu benennen. Das soll die Kinder stärken. Apel: „Eine starke Persönlichkeit wehrt Ängste und Sorgen ab und entwickelt ein gesundes Selbstvertrauen.“

Zweieinhalb Jahre Ausbildung

In den vergangenen zweieinhalb Jahren ließen sich die sieben Mitarbeiterinnen des Kindergartens zu Papilio-Erzieherinnen ausbilden. Zum Papilio-Programm gehört auch, dass die Erzieherinnen an Supervisionen teilnehmen und Erfahrungsberichte schreiben.

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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