Die Heilpraktikerin Kerstin Beyer hilft in ihrer Praxis in Bad Hersfeld, gebrochene Herzen zu heilen

Wenn die Liebe krank macht

Kerstin Beyer ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und hilft bei Liebeskummer. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Unter Liebeskummer hat wohl fast jeder schon einmal gelitten – und oft vergeht dieses unschöne Gefühl mit der Zeit ganz von allein wieder. Aber eben nicht immer. In ihrer „Liebeskummer-Praxis“ in Bad Hersfeld betreut Kerstin Beyer Männer und Frauen, die nach einer Trennung Hilfe suchen. Und die Heilpraktikerin für Psychotherapie weiß wovon sie spricht ...

Kann Liebeskummer eigentlich krank machen?

Kerstin Beyer: Durchaus. Es gibt mehrere Krankheiten, die durch Liebeskummer ausgelöst werden können – angefangen bei Magenschmerzen, über Kopfschmerzen bis hin zu Depressionen. In Amerika zum Beispiel ist auch das Broken-Heart-Syndrom eine anerkannte Krankheit.

Und woran erkennt man, wenn Herzschmerz zu einem wirklichen Problem wird?

Beyer: Abgesehen von körperlichen Symptomen wie Magen- oder Kopfschmerzen: Wenn das ganz normale Alltagsleben nicht mehr funktioniert. Wenn ich etwa morgens nicht mehr aus dem Bett komme, weil ich keinen Sinn im Leben allein sehe, ich bei der Arbeit unkonzentriert bin oder ich meine Freunde und Hobbys deshalb vernachlässige. Wenn mich nichts mehr interessiert und ich mich völlig in mich selbst zurückziehe. Das geht dann ja auch schon in Richtung einer Depression.

Wie sieht denn die Behandlung von Liebeskranken in Ihrer Praxis aus?

Beyer: Behandlung ist so ein komisches Wort, genau wie Coaching. Meine wichtigste Aufgabe ist jedenfalls das Zuhören. Die meisten Menschen, die unter Liebeskummer leiden, wenden sich erstmal an Freunde oder die Familie, doch irgendwann können die nicht mehr weiterhelfen oder es auch nicht mehr hören. Dann komme ich als unbeteiligte Person von außen dazu und lasse die Betroffenen in der ersten Sitzung erstmal wirklich nur reden. Manchmal löst sich dann schon ein Knoten im Kopf. Die Menschen, die zu mir kommen, wollen ja gar keine Lösungsvorschläge, sie wollen einfach nur reden. Wenn ich merke, dass jemand körperlich betroffen ist, schicke ich denjenigen natürlich zum Arzt. Ich gebe aber auch Tipps, wenn es nach einer Trennung um die Suche nach einer neuen Wohnung oder Versicherungsfragen geht.

Wer kommt zu Ihnen und ist Liebeskummer eine Frage des Alters?

Beyer: Überhaupt nicht. Ich habe schon Klienten von 18 bis über 70 Jahren gehabt, ganz unabhängig vom Beruf oder vom sozialen Status. Es sind aber deutlich mehr Frauen, die zu mir kommen. Wenn Männer kommen, dann ist meist schon alles den Bach runtergegangen und die verbrauchen auch in der Regel mehr Taschentücher. Viele Männer öffnen sich nicht so gern und haben Angst, als Schwächling wahrgenommen zu werden.

Was kann ich selbst tun, um ein gebrochenes Herz zu heilen?

Beyer: Ganz am Anfang sollte man sich seinem Schmerz hingeben. Es hilft nicht, wenn ich versuche, den Starken zu markieren. Eine Trennung ist immer eine harte, schmerzliche Zäsur, egal ob man ein Jahr oder 20 Jahre zusammen war. Diesen Trauerprozess muss man zu- und rauslassen. Wer nicht trauert und die Trennung nicht verarbeitet, ist auch nicht frei für eine neue Beziehung. Deshalb gehen viele solcher neuen Beziehungen dann auch in die Brüche. Ich muss mich erstmal neu orientieren und in die Zukunft schauen. Häufig verändert sich ja auch das ganze Umfeld nach einer Trennung.

Also nicht exzessiv feiern gehen und jemand neues kennenlernen?

Beyer: Nein. Das ist aber auch ein Unterschied zwischen Männern und Frauen. Frauen besinnen sich nach einer Trennung meist erstmal auf sich selbst. Männer versuchen oft, gleich die Nächste klarzumachen. Das geht allerdings oft schief. Ablenkung ist zwar immer gut, um den Kopf frei zu kriegen, aber das funktioniert nur kurzzeitig. Wer seinen Ex unbedingt wiederhaben will, sollte mal versuchen, ganz objektiv zu sein und vielleicht eine Liste mit den negativen Erinnerungen und Eigenschaften machen.

Und wie sieht es mit dem Tipp aus: Aus den Augen, aus dem Sinn?

Beyer: Wer sehr lange mit jemandem zusammengelebt hat, kann schlecht sofort alles wegwerfen, was ihn an den Partner erinnert, gerade wenn Kinder im Spiel sind natürlich. Man kann sich im Kleinen aber auch stückweise von Erinnerungsstücken trennen: Erstmal alles in eine Kiste packen, diese in den Keller stellen und schließlich entsorgen.

Haben Sie selbst auch schon unter Liebeskummer gelitten?

Beyer: Ganz heftig sogar. Als sich 2009 mein Mann nach 30 Jahren von mir getrennt hat, was damals für mich völlig überraschend kam. Auch ich habe mir damals professionelle Hilfe gesucht und heute kann ich sagen: Es ist in Ordnung. Das hat mich übrigens auch auf die Idee gebracht, als Heilpraktikerin selbst anderen bei Liebeskummer zu helfen.

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Von Nadine Maaz

Quelle: HNA

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