Fieber, Atemnot, Gehirnerschütterung und Co.: Fragen und Antworten zu medizinischen Notfällen

Wenn es dem Kind schlecht geht

Ein sinnvoller Abwehrmechanismus: Fieber tritt bei Kindern häufig auf. Steigt es über 39,5 Grad, sollte die Temperatur mit Medikamenten wie Paracetamol gesenkt werden. Foto: 

Ist das eigene Kind krank, bedeutet das für die Eltern eine besondere Herausforderung. Wir sprachen mit dem Bebraer Kinderarzt Behcet Iscioglu über typische medizinische Notsituationen mit Kindern.

?Kinder reagieren schnell mit erhöhter Temperatur. Was kann ich dagegen unternehmen?

!Fieber ist ein Abwehrmechanismus des Körpers, der notwendig und sinnvoll ist. Auslöser sind bei Kindern vor allem Infektionskrankheiten wie Erkältungen. Manchmal tritt aber auch beim Zahnen Fieber auf. Eine Temperatur ab 38,5 Grad gilt als Fieber, spätestens ab 39,5 Grad sind fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen empfehlenswert.

Bedrohlich wird eine Überhitzung mit mehr als 42 Grad, die aber durch einen Infekt nicht erreicht wird. Neigt ein Kind zu Fieberkrämpfen, sollte schon dann ein senkendes Mittel gegeben werden, wenn die Temperatur über 38,3 Grad steigt. Bei Bedarf ist auch ein krampflösendes Zäpfchen wie Diazepam angebracht.

?Ein Kind ist auf den Kopf gefallen. Wie kann ich einschätzen, ob es nur eine Beule oder doch eine Gehirnerschütterung ist?

!Es gibt drei Kriterien, die auf eine Gehirnerschütterung hinweisen: 1. Bewusstlosigkeit, 2. Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen, 3. das Kind reagiert nicht so, wie es in seinem Alter normal wäre, wirkt zum Beispiel schlapp und müde. Wenn eines dieser Kriterien anhält oder gleich zwei auftreten, sollte man das Kind auf jeden Fall ins Krankenhaus bringen.

?Was tue ich, wenn mein Kind keine Luft bekommt? Gerade im Herbst und nachts kann ein Pseudokrupp mit bellendem Husten und rauher Stimme auftreten. Auch eine spastische Bronchitis, eine Lungenentzündung oder ein Asthmaanfall können zur Atemnot führen. Wichtig ist vor allem, dass die Eltern selbst die Ruhe bewahren und ihr Kind beruhigen – was verständlicherweise in so einer Situation schwierig ist.

Der Oberkörper wird hoch gelagert, bei einem Pseudokrupp-Anfall hilft frische, kalte Luft. Hält die Atemnot an, sollte ein Cortison-Zäpfchen verabreicht werden. Das hilft sowohl bei Pseudokrupp, aber auch bei spastischer Bronchitis und Asthma. Auch ein Notfallspray mit Salbutamol kann genutzt werden, falls es vorhanden ist.

?Wie überprüfe ich Puls und Atmung eines Kindes?

!Vor dem ersten Geburtstag wird der Puls bei Kindern an der Arterie auf der Innenseite des Oberarms (Arteria brachialis) gemessen, später an der Halsschlagader (Arteria carotis). Innerhalb von zehn Sekunden sollte der Puls zu fühlen sein.

Um die Atmung zu überprüfen, werden die Atemwege gegebenenfalls freigemacht, der Kopf leicht überstreckt und das Kinn angehoben. Drei Aspekte sind wichtig: sehen, ob der Brustkorb sich hebt und senkt, mit dem Ohr über Mund und Nase die Atemgeräusche hören und dabei mit der Wange fühlen, ob der Luftstrom spürbar ist.

?Wenn das Kind nicht atmet oder das Herz nicht schlägt, was ist zu tun?

!Bei Kindern ist meistens eine Atemnot der Auslöser für einen Kreislaufstillstand. Deshalb wird bei Kindern zunächst immer erst beatmet, während bei Erwachsenen die Herzmassage im Vordergrund steht. Nach fünf Beatmungen folgt bei Kindern die Herzdruckmassage. Es wird zwischen beidem abgewechselt.

Fünf Zyklen mit 30 Herzdruckmassagen und zwei Beatmungen sollten etwa eine Minute dauern. Danach muss man sofort den Notarzt alarmieren. Der Druckpunkt liegt übrigens in der Mitte des Brustkorbs, aber die Devise lautet: Besser eine falsche Reanimation als gar keine.

Von Marcus Janz

Quelle: HNA

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