Wenn der Hausarzt nicht mehr kommt: Diskussion in Ronshausen

Engagierter Beitrag: Ria Lampe (79) sprach sich mit Vehemenz dafür aus, dass die ärztliche Versorgung auf dem Lande nicht zuletzt im Interesse der „alten leute“ auch in Zukunft gesichert bleibt.

Ronshausen. Was passiert mit den Patienten, wenn der seit 27 Jahren in Ronshausen arbeitende Hausarzt Dr. Thomas Rühlmann in etwa sechs Jahren seine Einzelpraxis aufgibt und sich aufs Altenteil zurückzieht?

Das war die Kernfrage bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Medizinische Versorgung auf dem Land“, zu der die Ronshäuser SPD ins evangelische Gemeindehaus eingeladen hatte.

Beantwortet werden konnte sie allerdings nur theoretisch, und auch nur unter der Bedingung, dass sich ein Arzt findet, der bereit ist, in Ronshausen zu praktizieren. „Fördermöglichkeiten und Geld gibt es an allen Ecken und Enden. Was wir brauchen, ist ein Kopf!“, lautete die simple, ein bisschen aber auch überraschend deutliche Quintessenz der Ausführungen von Carsten Lotz, der als Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen an der sehr gut besuchten, vom Nentershäuser Bürgermeister Ralf Hilmes moderierten Veranstaltung teilnahm. Lotz gab den Zuhörern einen groben Überblick über die Versorgungssituation im Landkreis und im Mittelbereich Ronshausen/Bebra/Rotenburg/Alheim.

Rein rechnerisch herrsche hier wie da eine „Riesenüberversorgung“: „Es ist aber eine Frage der Zeit, wie schnell sich das ändert.“ Ungeachtet dessen müsse man auf dem Land sehr viel weiter fahren als in der Stadt, um einen Arztbesuch zu absolvieren. Darüber hinaus sei zu berücksichtigen, dass Ärzte nicht so einfach „verschoben“ werden können, und dass der Gesetzgeber jedem gesetzlich Versicherten im Versorgungsstärkungsgesetz garantiere, dass er innerhalb von vier Wochen einen Facharzt-Termin erhalte: „Da muss so mancher Spagat gelingen!“

Sie diskutierten zum Zukunftsthema „Krank – ohne Medizin(er)?“: von links Moderator Ralf Hilmes, SPD-Landtagsabgeordneter Dieter Franz, Dr. Thomas Rühlmann, Carsten Lotz von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Dr. Daniela Sommer, designierte gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion.     

Dr. Thomas Rühlmann berichtete, dass die Aussichten für einen Nachfolger für eine Einzelpraxis eher schlecht seien. Das habe ihm eine Praxisvermittler gesagt. Von daher gehe er eigentlich davon aus, dass es in etwa zehn bis 15 Jahren ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit Satellitenpraxis in Ronshausen geben werde. Kreistagsmitglied Herbert Heisterkamp, sah das ähnlich, sah den Hauptgrund für den Mangel an Praxisnachfolgern aber auch darin, dass junge Mediziner lieber in einem MVZ arbeiten - „ohne Abrechnungskram“ und als Angestellte mit günstigeren Arbeitszeiten. Kreisbeigeordneter Helmut Miska sprach sich für eine bessere finanzielle Förderung von Landarztpraxen aus. Dem schlossen sich die Landtagsabgeordneten Dieter Franz und Dr. Daniela Sommer an, die zusicherten, sich für eine auch insoweit noch spürbarere Förderung des ländlichen Raums und für innovative Vergütungsmodelle einzusetzen.

Irmfried Riemenschneider, der langjährige Leiter der Ronshäuser Zukunftswerkstatt, begrüßte, dass die KV - anders als bei einer früheren Diskussion - alles dafür tun wolle, dass es in Ronshausen auch in Zukunft eine Einzelpraxis gibt. Bürgermeister Marcus Becker bezeichnete Hausarztpraxis und Apotheke als wichtige Standortfaktoren. Er sicherte zu, dass die Gemeinde ein Werbepaket packen und gemeinsam mit dem darüber sehr erfreuten Dr. Rühlmann auf Suche gehen werde, sobald Dr. Rühlmann ein Praxispaket geschnürt habe.

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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