Mehr zum Thema: Durch Trockenheit müssen Landwirte in der Region nach Alternativen für das Grünfutter suchen

Weniger Ertrag bei gleichem Aufwand

Es ist vollbracht: Zu den letzten Arbeiten der Getreideernte zählt die Strohlagerung. Unser Bild entstand bei der Landwirtsfamilie Hofmann im Kirchheimer Ortsteil Gershausen. Foto: Miehe

Niedergude. Zehn Hektar seiner Getreidefelder hat Landwirt Jörg Schäfer in diesem Jahr bereits vor der Reife abgeerntet. Die Pflanzen landen gehäckselt als Raufutter in den Trögen seiner Rinder.

Der Landwirt aus dem Alheimer Ortsteil Niedergude versucht damit, die fehlenden Erntemengen von seinen Grünflächen auszugleichen und die Fütterung seiner Tiere sicherzustellen – wenngleich das Getreide dann natürlich im Lager fehle.

Zwischenfruchtanbau

160 Hektar Land, 130 Milchkühe und 200 Mastschweine umfasst der Betrieb der Familie Schäfer. „Etwa 100 Hektar sind Grünland“, berichtet Jörg Schäfer. Gerade auf diesen Flächen sei in diesem Jahr die Ernte besonders mager ausgefallen. Wie Schäfer stehen auch andere Landwirte im Kreis vor der Herausforderung, genügend Futterreserven einzufahren – schließlich lasse sich der Tierbestand nicht ohne weiteres kurzfristig reduzieren. Natürlich gebe es die Option, Raufutter zuzukaufen. Da aber viele Bauern in der Region vom selben Problem betroffen sind, lasse sich der Bedarf aus dem näheren Umkreis wohl kaum decken. Transporte aus Gegenden wie dem Sauerland, in denen mehr Regen gefallen sind, seien bei Silage und Heu logistisch sehr aufwändig, erzählen Schäfers Schwiegervater Erhard Heimroth, Mitarbeiter Jonathan Kallies und Landwirt Norbert Krause beim Gespräch in Schäfers Maschinenhalle. Viele Landwirte setzten deshalb auf den Anbau von Zwischenfrüchten auf den abgeernteten Feldern, der aber auch mit einem gewissenen Aufwand verbunden sei. Ohnehin bedeute ein geringerer Ertrag nicht geringere Kosten: „Arbeiten wie Mähen, Wenden, Schwaden und Abfahren, fallen an, egal wie hoch das Gras steht“, verdeutlicht Jörg Schäfer. Immerhin: Beim Getreide sei die große Katastrophe ausgeblieben, berichtet der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Friedhelm Diegel, erleichtert. Sorgen machen ihm allerdings die niedrigen Erzeugerpreise für tierische Produkte, die auch eine Folge der weggebrochenen Exportmärkte in Russland seien.

Neben Erntemengen und Preisen treibt die Landwirte beim Gespräch in Niedergude aber auch noch eine andere Entwicklung um: Die Akzeptanz und Wertschätzung für ihre Arbeit und ihre Produkte schwinde – auch im ländlichen Raum.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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