Gläubige aus dem Gudegrund feiern traditionell auf dem Gaulskopf bei Erdpenhausen

Die Weihnacht im Wald

Warme, wohlige Stimmung: Die Besucher entzünden Kerzen in der Hütte, während es draußen nieselt. Fotos: Meyer

Obergude. Eine Quelle plätschert draußen, und der Nebel steigt über nassen Wiesen in die Abenddämmerung, während Pfarrerin Svenja Koch in der kleinen Waldhütte predigt. Das Licht der vielen Kerzen taucht die Wände der Hütte in ein warmes Licht. Die Gemeinde des Kirchspiels Obergude feierte in der Schutzhütte am Gaulskopf bei Erdpenhausen zum sechsten Mal eine Waldweihnacht.

Die Waldweihnacht hat in vielen Gemeinden Tradition. Sie findet am 6. Januar statt, dem Epiphaniastag, an dem orthodoxe Christen erst die Geburt Jesu feiern. Die Waldweihnacht ist ein besonderes Fest für Kinder, denn die tragen traditionell Nahrung für die Tiere des Waldes mit sich. Und die Erdpenhäuser, die keine eigene Kirche haben, freuen sich, dass sie die Bewohner der Gudegrund-Dörfer zum Gottesdienst einladen dürfen.

Regenschirme über den Köpfen, wandern etwa 50 Gottesdienst-Besucher gemeinsam hoch zum Gaulskopf. Pfarrerin Svenja Koch geht ohne Regenschirm voran, eine schwarze Bibel in der einen und ein Körbchen voller Kerzen in der anderen Hand.

Die offene Wanderhütte haben die Pfarrerin sowie Monika Degenhardt und Janine Diegel vom Kirchenvorstand morgens vorbereitet: Bänke sind da, Kerzen stehen in den Fenstern, und ein kleiner Tisch mit Kreuz ist der Altar.

Posaunenchor spielt

Svenja Koch schlägt die Bibel auf und legt sie auf den Altar, bevor der Posaunenchor zum Plätschern der Quelle zu spielen beginnt. Die Pfarrerin erzählt eine afrikanische Weihnachtsgeschichte: Ein Mann, der einen Traum von einer Welt ohne Krieg und Hunger hatte, eilt trotz der Angst vor Löwen und Krokodilen durch die Nacht und findet einen Stern, der ihm Hoffnung gibt.

Noch während des Gottesdienstes gehen die Kinder mit Kerzen und Fackeln in den Wald, um Heu zu verteilen und Meisenknödel an Äste zu hängen. Lea hat Äpfel und Kastanien mit, die sie schon im Herbst vor dem Haus gesammelt hat. Später werden auch noch die Gottesdienstbesucher zu essen bekommen: Im Dorfgemeinschaftshaus wartet schon Petra Klee vom Frauenkreis mit Bienensuppe und Fettenbroten. (zmy)

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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