Die Weichen neu stellen

Diskussion über Nutzung des von der Stadt erworbenen Bahnhofsareals

Bebra. Schon gleich zu Beginn der zweiten Zusammenkunft der am weiteren Schicksal des Bebraer Bahnhofs Interessierten macht Moderator Klaus Schulze vom Soester Landschaftsarchitektur- und Ingenieurbüro BSL im evangelischen Gemeindehaus deutlich, worum es geht.

Es stelle sich die Frage: „Bekommt Geschichte Zukunft?“

Mit Bürgermeister Horst Groß ist er sich einig, dass die Stadtverordneten darüber spätestens am 30. Januar 2014 entscheiden müssen. Bis dahin muss auf Ideensuche gegangen und über das Neunutzungskonzept diskutiert werden, an dem BSL arbeite und das am 27. November in der Aula der Beruflichen Schulen vorgestellt werden soll. „Wir sind angetreten, um einen schlüssigen Vorschlag zu unterbreiten“, erklärt Schulze und fügt angesichts des Vorwurfs der „vergeblichen Liebesmüh“ hinzu: „Wir sind keine Marionetten!“ Außerdem habe er schon bei der Besichtigung den Eindruck gewonnen, dass den „Bäwerschen“ ihr Bahnhof nicht gleichgültig sei: „Das war mal Ihr Herz, und deshalb müssen wir jetzt darüber reden, wie die Weichen gestellt werden sollen!“

Klaus Schulze

Ullrich Wiegand aus Tann eröffnet die Ideen-Runde und macht den unkonventionellen Vorschlag, im jetzt viel besser sichtbaren, „heimeligen“ Inselgebäude ein Altenheim einzurichten. Ernst Zindler verweist auf die gelungene Restaurierung des Altmörscher Bahnhofsgebäudes und wünscht sich, dass das Inselgebäude für Seminarzwecke hergerichtet wird. Da passt es nicht ins Bild, dass Stadtrat Werner Hof die Sanierung als „nicht lukrativ“ bezeichnet. Ernst Zindler protestiert heftig: „Wenn man Bebra das Herz aus dem Leibe reißt, möchte ich nicht mehr hier wohnen!“

Andreas Möller betont, dass die alte Segmentdrehscheibe nur dann sinnvoll sei, wenn sie auch genutzt werden könne. Das sei möglich, erläutert Bauamtsleiter Manfred Klöpfel, schlage aber mit einigen 100 000 Euro zu Buche. Jürgen Manns schlägt vor, den Lokschuppen 2 zu einem Treffpunkt umzugestalten und in Richtung Wasserturm einen touristisch ansprechenden Weg anzulegen.

Viele Ideen: Hat die Geschichte eine Zukunft in Bebra? – So lautete die Frage der Veranstaltung im Rahmen des Werkstattverfahrens.

Aber in welcher Gestalt soll das Bauwerk erhalten werden? Bodo Breitbart und Robert Cavalier verweisen auf einmalige industriegeschichtliche Zeugnisse, Helmut Wille spricht sich für den Abriss aus. Gerhard Mißler sieht es differenzierter: „Eine Wieder-Inbetriebnahme kann keiner schultern, Eisenbahnbetrieb kann nur im Lokschuppen 1 stattfinden.“ Ähnlich argumentiert Dampflokfest-Organisator Gerhard Mühlbauer, der anregt, den Lokschuppen in eine Multifunktionshalle umzuwandeln. Oder sollte er doch hergerichtet und mit Unterstellmöglichkeiten an Lokbesitzer vermietet werden, wie Robert Cavalier meint?

Kurt Grenzebach überrascht mit der Idee, sich mit Forschungsinstituten in Verbindung zu setzen und den gut 30 Meter hohen Kesselhaus-Schornstein für Fallversuche anzubieten. Sebastian Schmidt-Schalles legt eine ganze Vorschlagsliste vor, und Eva Köck bringt es auf den Punkt: „Warum kommt jemand nach Bebra? Doch nur wegen der Bahn! Warum sollten wir also so hirnverbrannt sein und das verbliebene Ensemble nicht nutzen? Das ist doch die Identität unserer Stadt!“

Jeder ist nun aufgefordert, sich einzubringen. Chefplaner Klaus Schulze tut es mit einer Präsentation gelungener Neunutzungen sanierter Industriedenkmale und resümiert: „Ohne Bahn geht gar nix!“

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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