Frank Jester wandert barfuß durch Deutschland und machte Station in Bebra

Von wegen Weichei

Ist nach 28 Kilometern Barfußmarsch noch zu Späßen aufgelegt: Wanderer Frank Jester hat Station in Bebra gemacht. Foto: Meyer

Bebra. Es war ein guter Wandertag heute. Die Regentropfen fielen senkrecht von oben, sodass der kleine Schirm sie gut abhielt, die bergige und waldige Landschaft war zum Schwärmen schön, die Füße schmerzten nicht mehr als sonst. Und im Hotel Hessischer Hof in Bebra, wo Frank Jester auf seinem Barfußmarsch durch Deutschland Station macht, haben sie ihm ein Fußbad vorbereitet.

Dem Mann sieht man die acht Stunden und 28 Kilometer Marsch nicht an, schon gar nicht die 338 Kilometer, die er seit seinem Start am 1. September in Hamburg zurückgelegt hat. Seinen Füßen übrigens auch nicht. Gut gelaunt ist er, interessiert und aufgelegt zum Gespräch über all das, was ihm durch den Kopf geht auf dem weiten Weg.

Per Fahrrad zum Nordkap

Jester ist doppelt approbierter Arzt und Zahnarzt, dazu Naturheilkundler und einer, der seinem Körper gern begegnet, indem er ihm etwas abverlangt. Der 47-Jährige fuhr mit dem Fahrrad zum Nordkap und nach Neu-Delhi, fastet sechs Wochen im Jahr. Als „Motivationskick für andere, sich mehr zu bewegen“, erklärte er die Intention seiner Wanderung in einer Presse-Ankündigung vor dem Start.

Inzwischen ist er zu dem Schluss gekommen, dass der Sinn einer Reise sich erst auf der Reise selbst erschließt. Viel hat er den eigenen Körper und vor allem die Füße beobachtet, festgestellt, dass Hornhaut nicht durchs Barfußlaufen entsteht, sondern dadurch vielmehr verschwindet.

Die Füße verändern sich

Durch das veränderte Laufen, das Aufsetzen mit dem Fußballen, haben die Füße sich verändert. „Jetzt kann ich gehen“, sagt er lachend und strahlt. Als Arzt denkt Jester darüber nach, ob Menschen generell mehr barfuß laufen sollten. „Weichei Mensch“ steht auf seinem T-Shirt, provokanter Denkanstoß und Titel eines Romans, den Jester auch noch geschrieben hat. Er kommt mit Menschen ins Gespräch und erinnert sie an Kindertage, als sie auch barfuß liefen. Dass das Laufen fröhlich macht, hat er festgestellt.

Einem wandernden Studenten ist er begegnet, der gerne reist und bald einen Bürojob antreten wird. „Bleib Abenteurer, schreib Bücher. Damit kann man Geld verdienen“, hat Jester ihn ermutigt. Die Bestimmung seiner Reise sei vielleicht, Menschen an ihr eigenes Selbst zu erinnern.

Jester wird sich beim Start am nächsten Morgen Bebra anschauen, verspricht er beim Abschied. 443 Kilometer warten noch bis zum Bodensee.

Von Achim Meyer

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