Komiker Karl Dall war mit dem Theaterstück „Der Opa“ zu Gast in Ellis Saal

Von wegen altersmilde

Sinniert über das Altern: Karl Dall spielte das Ein-Mann-Theaterstück „Der Opa“ aus der Feder von Bjarni Haukur Thorsson in Ellis Saal. Regie führte Corny Littmann. Foto: Hörcher

Weiterode. Das Saallicht geht aus. Die Leinwand auf der Bühne zeigt einen zugezogenen Vorhang, und eine Durchsage ertönt: Leider könne der Hauptdarsteller heute Abend nicht auftreten. Man bemühe sich aber um einen Ersatz, um die heutige Vorstellung nicht ausfallen zu lassen, man stehe bereits in Kontakt mit hochrangigen Comedians wie Otto Waalkes und Mike Krüger.

Die Zuschauer in Ellis Saal lachen schallend – denn diese Ansage ist ein Scherz und eine Anspielung auf das, was vor eineinhalb Wochen passiert ist. Da hatte Komiker Karl Dall die Aufführung „Der Opa“ wegen einer Krankheit tatsächlich absagen müssen.

Diesmal kommt er wirklich. Im Gepäck hat der 72-Jährige neben einer Golfausrüstung zahlreiche Weisheiten über das Altern – über die Tücken, aber auch über die schönen Seiten. „Eine Gleitsichtbrille ist prima, damit kann man abends gleichzeitig fernsehen und Zeitung lesen“, erklärt er. Ein Nachteil der schwindenen Sehkraft sei hingegen, dass er im Restaurant immer den Kellner bitten müsse, die Speisekarte seinem Tischnachbarn zu bringen. Der halte sie dann hoch, damit er sie lesen könne.

Ein-Mann-Comedy-Show

Was als Theaterstück aus der Feder des isländischen Autors Bjarni Haukur Thorsson angekündigt war, ist eher eine Ein-Mann-Comedy-Show. Dall spielt keinen Charakter, der für das Publikum neu wäre, sondern gibt den Bühnen-Karl-Dall, wie ihn seine Fans seit Jahrzehnten kennen: Griesgrämig, zynisch, unfreundlich, und doch auch selbstironisch pöbelt er sich durchs Programm.

Auch mit seinem Publikum geht Dall wenig zimperlich um: „Wie alt sind Sie? Erst 51? Na ja, flottes Leben macht auch einiges!“, sagt er zu einem Herrn in der ersten Reihe. Und zu einem anderen: „Ist das Ihre Lebensgefährtin? Ja? Und haben Sie diesen Schritt bereut? Nie? Nicht eine einzige Sekunde lang?“ Der angesprochene Herr verneint. „Was für ein verlogenes Pack“, zetert Dall. Von Altersmilde zeigt er keine Spur.

Den roten Faden des Abends bildet eine Geschichte um Dall, der im Mallorca-Urlaub feststellen muss, dass er alt geworden ist, als ihm am Flughafen eine junge Frau einen Platz anbietet. Als er wenig später auch noch erfährt, dass er bald Opa wird, glaubt er, endgültig zum alten Eisen zu gehören.

Wenn Dall übers Altern sinniert, bedeutet das deftige Witze über Viagra und Proktologenbesuche („15 Minuten mit einem kompletten Kamerateam in meinem Arsch können ganz schön lang werden“). Zwischendurch gibt es aber immer wieder bewegende Momente, wenn Dall sich auf seinem Stuhl niederlässt und nachdenkliche Töne über das Leben als alter Mann und den baldigen Tod anstimmt. Dann wird es plötzlich still im Publikum.

Von Marc Hörcher

Quelle: HNA

Kommentare