Tiere tauchen immer öfter im Ort auf

Waschbären kein Futter bieten

Süße Waschbärendame: Dieses ausgestopfte und präparierte Waschbärenweibchen, das Jäger Harald Rössing, links, und Ronshausens Bürgermeister Markus Becker in den Händen halten, wird keinen Schaden mehr anrichten. Damit ihre Artgenossen wieder seltener auf Beutezug durch die Ortschaften gehen, rufen Becker und Rössing dazu auf, den Tieren die Nahrungsquellen gezielt zu nehmen. Eine Biotonne statt eines offenen Komposthaufens – der für Obst und Essensreste ohnehin verboten ist – kann dabei schon viel helfen. Foto: Gottbehüt

Ronshausen. Sie sind süß und putzig anzusehen - bei Manchem huschen sie schon durch den Garten oder über die Terrasse, lösen den Bewegungsmelder aus und blicken - im erstrahlenden Licht sitzenbleibend - durch die Scheibe der Balkontür.

Immer mehr Waschbären streifen auf Nahrungssuche inzwischen durch unsere Städte und Dörfer, berichtet der Ronshäuser Harald Rössing, der seit 40 Jahren Jäger ist. Doch schnell können die possierlichen Tiere zu einer echten Plage werden. Denn sie sind recht durchsetzungsfähig und durchaus in der Lage, sich sogar gegen einen Dackel durchzubeißen, weiß der Jagdpächter, der die Apotheke an der Eisenacher Straße in Ronshausen betreibt. „Mich sprechen immer mehr Kunden an und berichten von ihren Begegnungen mit den Tieren“, sagt der 63-Jährige.

Bei den meisten Betroffenen sei schnell geklärt, warum die Waschbären ausgerechnet bei ihnen unterwegs waren: „ein Katzenfressnapf, der draußen steht oder ein Komposthaufen mit Äpfeln, Pflaumen oder Essensresten ist bei den meisten schnell gefunden oder spätestens der Nachbar bietet solche, für die Tiere leckeren Verköstigungsmöglichkeiten“, berichtet Rössing.

Die Lösung des Problems sieht er nicht in der Bejagung der Tiere. Dafür seien es zum einen zu viele und zum anderen sei dies innerhalb der Ortslagen auch gar nicht möglich. „Waschbären sind zwar keine geschützten Tiere - außer in der Aufzuchtzeit der Jungen sind sie ganzjährig bejagbar - aber im Ort dürfen die Jäger nur in Notsituationen, wie bei einem tollwütigen Fuchs, und auch dann nur im Auftrag der Polizei oder der Ortspolizeibehörde handeln.“

Zudem gebe es in unserer ländlichen Region noch viele Scheunen, die nicht genutzt würden und die den Tieren als Unterschlupf dienten. Die Spitze des Problems seien allerdings diejenigen, die die Tiere gezielt füttern, weil sie die Waschbären niedlich finden.

„Außerdem landet heute vieles, was früher in den Saueimer kam und an die Schweine verfüttert wurde, auf dem Komposthaufen - und das zieht die Tiere an“, sagt Rössing. Aber auch Gelbe Säcke würden inzwischen regelmäßig von den Waschbären aufgerissen.

„Die Tiere fressen fast alles und sind an allem interessiert. Sie treten - positiv gesagt - als Gemeinschaft auf. Negativ ausgedrückt bilden sie bei ihren Beutezügen eine Gang von drei bis vier Tieren“, sagt der Jäger.

„Wir wollen einfach das Bewusstsein schärfen und mit simplen Verhaltensregeln Abhilfe schaffen“, sagt Ronshausens Bürgermeister Markus Becker. Die nachtaktiven Waschbären seien eigentlich Waldbewohner und dorthin müssten sie auch wieder zurückkehren. „Sie folgen dem Fraß - wenn sie leichter an Essen im Dorf herankommen, dann gehen die Tiere clevererweise auch dorthin.“

Der Nachwuchs lerne von den Eltern, dass menschliche Behausungen keine Gefahr darstellten und dass sie dort leicht an Nahrung kämen. Diese Ausbildung sei so einfach nicht zurückzudrehen - deshalb müsse jetzt schleunigst etwas unternommen werden, erklärt Rössing.

„Bislang waren die Vorfälle noch relativ harmlos aber die Schäden können bekanntlich immens werden - die Nahrungsquellen im Ort und damit der Anreiz für die Tiere herzukommen müssen verschwinden“, fordert Becker. Zudem seien die Waschbären sehr geschickt und in der Lage, sogar einfache Riegel wie die an Kaninchenställen zu öffnen und die Tiere als Beute zu schlagen.

Dehalb gelte

• Katzenfressnäpfe gehören ins Haus - Haustiere sollten nur im Haus oder in den dafür vorgesehenen Stallungen und Zwingern gefüttert werden.

• Küchenabfälle und Obst gehören in die Biotonne und nicht auf frei zugängliche Komposthaufen.

Biotonne ist günstig

„In Ronshausen gibt es etwa 340 Haushalte ohne Biotonne, die offensichtlich Komposthaufen haben - diese müssten nach den geltenden Vorschriften allerdings abgeschlossen sein. Ein frei zugänglicher Komposthaufen entspricht ausdrücklich nicht diesen Vorschriften“, sagt Bürgermeister Becker.

Wer sich einen solch vorschriftsmäßigen Komposthaufen nicht anlegen könne, müsse also die Biotonne nehmen. Denn auch im Restmüll hätten Speisereste schließlich nichts zu suchen. Eine 120-Liter-Biotonne kostet beim Müllabhol-Zweckverband (MZV), der in Ronshausen abfährt, 48 Euro im Jahr. „Sie wird 14-tägig geleert, das macht einen Betrag von gerade mal zwei Euro pro Leerung aus“, rechnet Becker vor. Damit sei sie eine wirklich günstige Entsorgungsmöglichkeit.

Von Peter Gottbehüt

Quelle: HNA

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