Begegnungsstätte der Herzen an der Gilfershäuser Straße besteht seit fünf Jahren

Warmes Essen - nicht allein

Initiator: Hans-Joachim Kirsch mit seinen beiden Ältesten: Karl Riemann (92) und „Oma Kathrin“ Katharina Bluhm (89). Fotos:  Apel

Bebra. Morgen gibt es Kassler mit Sauerkraut, übermorgen Kartoffelpuffer und im Laufe der Woche sogar Wild. Ein Waidmann hat ein Herz für die von Hans-Joachim Kirsch ins Leben gerufene „Begegnungsstätte der Herzen“ an der Gilfershäuser Straße 13 gehabt und ein Stück Wildschweinbraten vorbeigebracht.

In der vom gemeinnützigen Verein „Perspektive“ getragenen, ganz ohne öffentliche Zuschüsse auskommenden Einrichtung treffen sich Menschen, die nicht viel Geld haben, die aber gern unter Menschen sind und ein bisschen unterhalten sein wollen.

Vorzugsweise zur Mittagszeit, wenn Kirsch und seine ehrenamtlich tätigen Helfer kochen und ihre Gäste umsorgen. Seit fünf Jahren tun sie das dort, wo früher Brot und Brötchen verkauft wurden. „Man kann nicht immer nur predigen. Christentum muss praktisch sein, sonst können Sie’s vergessen“, sagt der ausgebildete Prediger Hans-Joachim Kirsch.

Die Damen vom Bastelkreis der Bebraer Frauenhilfe sehen das auch so. „Wir freuen uns, dass es dieses Angebot gibt, und wir unterstützen es regelmäßig mit einem Teil unseres Basarerlöses“, erzählt Marga Opfer. Vor ihnen am Tisch sitzen Gustav Runge (79), Alfred Rupp (77) und Katharina Bluhm (89).

Gustav wäre allein zu Hause, wenn seine Tochter Anja Stöwer arbeitet. Deshalb lässt er sich gerne von Hans-Joachim abholen und von Anja später wieder mit nach Hause nehmen. Ähnlich ist es bei Katharina, die allein lebt und schlecht sieht: „Ich bin immer unter Menschen gegangen. Wenn man nur daheim sitzt, wird man blöd im Kopf.“ Wie Alfred schätzt sie das selbst gekochte, preiswerte Essen.

Als Karl Riemann (92) kommt, ist das Hallo groß. „Heute feiern wir 5. Geburtstag, heute bekommst Du ein Gläschen Sekt“, ruft einer. Karl lässt es sich gefallen. Vor 76 Jahren hat er bei einem Unfall ein Bein verloren. Trotzdem hat er über 40 Jahre lang im Büro gearbeitet. Er zitiert noch immer Busch und Goethe und gewinnt dem Leben bis heute positive Seiten ab. Ihm gegenüber sitzt Dirk Schulze (36). Er ist extra mit dem Zug angereist. Katja Schulze (28) ist Neu-Bebranerin und „mittags immer mal da“.

Tisch und Kühlschrank

Es ist ein Kommen und Gehen, auch jüngere Leute und Schüler sind dabei. Kinder unter zehn Jahren bekommen das Essen kostenlos.

Hans-Joachim Kirsch kümmert sich liebevoll um alle Gäste. Sein Team wuselt mal hier, mal da, hilft überall, es könnte aber auch selbst Hilfe gebrauchen: Einen neuen Anrichtetisch und ein Kühlschrank für die regelmäßig kontrollierte Küche zum Beispiel – oder auch eine Geldspende.

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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