Sie wanderten auf dem E5 einmal über die Alpen

Es war ein Erlebnis des Jahres 2015: Timo Altmüller und Christian Serek machten sich auf, um die Alpen zu überqueren. Auf dem Europäischen Fernwanderweg E5.

Dessen attraktivstes Teilstück bietet 180 Kilometer. Der Start war in Oberstdorf, das Ziel: Meran.

Die Idee sei über Jahre gewachsen und habe sich zu einer Leidenschaft fürs Bergwandern entwickelt, 2012 gab es eine „Männertour“ im Berchtesgadener Land, über Klettersteige mündeten die Ambitionen im Bergsteigen. Kurz entschlossen brachen beide auf, um sich einem Abenteuer hinzugeben.

1. Tag: Oberstdorf - Bach/Österreich, Gehzeit: Neun Stunden, 15 Minuten.

Zu Beginn ihrer alles andere als alltäglichen Tour starten beide bei „vernünftigem Wetter“, wie sie es nennen. Bald setzt Regen ein, der in Dauerregen übergeht. Drei Tage lang begleiten sie diese misslichen Bedingungen. So manchen Menschen lernen sie kennen in der rauen Bergwelt, die sie fasziniert und magisch anzieht. Es sind Menschen im Alter von Anfang 20 bis in die 70 hinein.

2. Tag: Bach - Zams, beides in Österreich, Gehzeit: Zehneinhalb Stunden

Ein Holländer kreuzt ihren Weg, auf ziemlich genau 2.600 Meter Höhe. Der ist weit über 70 – und komplett alleine bei seiner Unternehmung. 35 Tage sei er unterwegs in den Alpen. Timo und Christian passieren die Memminger Hütte (2.242 Meter). Erstmals hören sie von einem Magen-Darm-Virus, der im Umlauf ist. Den ganzen Tag über regnet es.

3. Tag: Zams - Braunschweiger Hütte, Gehzeit: 8 Stunden, 15 Minuten

Das Ziel liegt auf 2.759 Meter Höhe im Pitztal. „Eine ganz klassische Berghütte. Aber alles toll organisiert. Zuvor haben wir ja nur in Gasthöfen übernachtet“, bemerkt Christian. Hier finden sie ein 10-Mann-Zimmer vor, Timo nennt dies charmant einen „Puma-Käfig“. Die Übernachtung auf fast 3.000 Meter ist gewöhnungsbedürftig, der kurze Aufenthalt aber gemütlich. Und als sie aufwachen, werden beide belohnt: Endlich ist das Wetter besser, sie sehen die Berge – und die Pitztaler Gletscher-Welt.

4. Tag: Braunschweiger Hütte - Gasthof Hochfirst in Italien. Gehzeit: 9 Stunden, 40 Minuten

Äußerst anspruchsvoll ist die Tour, nur bei gutem Wetter und bester Fitness ist sie begehbar. „Mit Abstand die heftigste“, urteilt Timo.

Der Aufstieg erfolgt übers Pitztaler Jöchl – erstmals überqueren sie 3.000 Meter Meereshöhe.

„Da gehst du Passagen nahe am Abgrund des Todes“, sagt Christian. Abends geraten sie in ein Gewitter. „Das kann in einer solchen Höhe tödlich sein, das hat richtig vibriert auf der Brust. Und neben dir geht es so steil runter, dass du auch den Abflug machen kannst. Es gibt keine Ausweichmöglichkeit mehr.“ Sein Partner verrät: „Wir waren schon auf dem letzten Abschnitt. Du weißt nicht, ist es noch eine halbe Stunde oder eine Stunde.“ Als sie ankommen, ist es stockdunkel auf der Pfandler Alm.

5. Tag: Gasthof Hochfirst - Pfandler Alm, Gehzeit: 9 Stunden, 5 Minuten

Der Weg führt beide über St. Johann ins Passeiertal. Vom Hirzer aus, einem fast 2.800 Meter hoch gelegenen Berg in Südtirol, ruft Timo seinen Vater Gerd an und gratuliert zum 61. Geburtstag.

Doch abends auf der Hütte erwischt es Timo. Der Virus macht sich breit, und er verbringt einen Großteil der Nacht auf der Toilette. „Ich hab’ mir die Seele aus dem Ranzen gekotzt“, sagt er.

6. Tag: Pfandler Alm - Meraner Hütte, Gehzeit: 8 Stunden, 30 Minuten

Anfangs muss sich Timo quälen – das Ziel aber ist in Reichweite. Abends erreichen sie Meran 2000.

Quelle: HNA

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