Wochenendporträt: Ahmed Al Samarraie ist neuer Leiter des Umweltbildungszentrums Licherode

Den Wandel der Kinder erleben

Vorm Pavillon: Ahmed Al Samarraie hat das kleine Gebäude, das für Seminare, Ausstellungen oder Konzerte genutzt wird, entworfen. Eigentlich sollte es größer werden, das scheiterte jedoch damals am Geld. Foto: Schäfer-Marg

Licherode. „Wenn Großstadtkinder das Umweltbildungszentrum Licherode nach einem einwöchigen Aufenthalt wieder verlassen, spürt man, dass sie etwas mitnehmen“, sagt Ahmed Al Samarreie.

Dass die Kinder zur Ruhe gefunden haben, sich sammeln und konzentriert arbeiten konnten, befriedigt den neuen Leiter und Geschäftsführer des Umweltbildungszentrums Licherode.

Die Mädchen und Jungen in ihrem Wandel zu erleben, das sei etwas fundamental anderes als etwa die Betrachtung von Din-Normen, sagt er, der vor wenigen Wochen die Nachfolge von Klaus Adamaschek angetreten hat.

Al Samarraie kennt Din-Normen aus seiner beruflichen Vergangenheit. Architekt ist er eigentlich, hat sich aber im Lauf seines Lebens zunehmend mit Bauökologie und dem Vertrieb von ökologischen Baustoffen befasst, war ökologischer Bauberater und Geschäftsführer eines Unternehmens, zuletzt freiberuflich tätig. Das Umweltbildungszentrum kennt der 49-Jährige von Beginn an, hat bei dessen Bau mitgewirkt und 1998 auch den Expo-Pavillon auf dem Gelände des Umweltbildungszentrums entworfen. Al Samarraie wurde damals auch ins Kuratorium des Ökologischen Schullandheimes berufen und war seit 2006 Vorsitzender des Trägervereins. Dieses Amt hat er mit Beginn seiner Tätigkeit als Geschäftsführer natürlich niedergelegt.

Woher kommt das Faible für Ökologie, für nachhaltige Bildung? Ahmed Al Samarreie sieht sich als politischen Menschen. „Ich glaube, der Mensch hat eine Verantwortung für sein Handeln, für das, was er hinterlässt“, sagt er und plädiert für ein bewusstes Leben. Vorbild ist seine Großmutter, die in ihrem Garten mit dem Jahreszeiten gewirkt hat. Sie säte, pflegte den Garten, erntete, verbrauchte die Lebensmittel saisonal oder legte damit Vorräte an. Er versucht, mit seiner Familie ähnlich bewusst zu leben.

Die Familie lebt in der Grundmühle bei Rotenburg. Hier wird - das wissen Feinschmecker - Ziegenkäse produziert, hier wird aber auch das Hobby Pferdezucht gepflegt. Frau und Töchter sind erfolgreiche Distanzreiterinnen auf Araberpferden.

Zurück zum Umweltbildungszentrum: In Licherode ist man sehr kreativ geworden, wenn es darum geht, finanzstarke Partner zu finden. Etwa Sponsoren, die Schulkindern aus städtischen Problemvierteln den Licherode-Aufenthalt finanzieren. Sponsoring, Fund raising, Marketing - das klingt sehr weit weg von der ökologischen Nische, ist aber wichtig für die Fortdauer der Arbeit. Al Samarraie ist da pragmatisch wie sein Vorgänger.

Mehr lesen Sie in unserer gedruckten Samstagsausgabe.

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

Kommentare